Die Flut geht hoch. Ein mächtiger Dampfer zieht

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Karl Henckell: Die Flut geht hoch. Ein mächtiger Dampfer zieht Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Die Flut geht hoch. Ein mächtiger Dampfer zieht
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Zur Welt der Zukunft, die mein Auge sieht.
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Die Flut geht hoch ...
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Einst ward ein schwaches Boot
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Gebaut von wenigen im Land der Not.
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Das Land der Not lag öde, sonnenleer,
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Mammon hieß Herrscher dort, sein Fluch hing schwer.
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Unwissend eignen Elends, eigner Kraft,
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Verkam das Volk. War ausgepreßt der Saft,
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Das arme Blut der Kinder, Männer, Fraun,
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Warf man die Menschen weg. Im Dämmergraun
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Gewohnten Wahns, mit scheu geducktem Sinn,
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Schlich der Heloten stumme Herde hin.
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Fern, weltenfern dem Leben, wo das Licht
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Der Menschenwürde durch die Notnacht bricht,
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Verbannt von allem, was das Atmen lohnt,
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Lohnsklaven haben fremden Herrn gefront,
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Und jeder sorgte für sein nacktes Los,
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Verwehtem Flugsand gleich am Meeresschoß.
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Da, wie das Unrecht berghoch sich gestaut,
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Zuckt durch die Tiefen ein verworrner Laut.
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Wer weiß, von wannen jener ihn vernahm?
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Wer weiß, wie er zuerst zu diesem kam?
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Zeugt' ihn die Zeit aus frechem Übermaß
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Der Gütergier, die den Erzeuger fraß?
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Erst murrt es dumpf, dann rang ein Drohn sich frei:
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»weh, Welt, dein Bau muß stürzen!« gellt der Schrei.
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Doch Männer, drin die Menschheit mächtig war,
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Sie traten vor und trotzten der Gefahr.
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Der Forscher, der Geschichte schrieb und schuf,
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Warf in die Arbeitswelt den Losungsruf:
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»vereinigt euch!« Der jugendfeurige Held
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Stürmt mit dem Schwert der Wissenschaft ins Feld.
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Des Volkes Sohn und Führer, kühn und treu,
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Trug bis zum Tod die Fahne ...
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Da ward neu
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Geboren in dem Geist der Arbeit Sinn,
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Sie wagt's und wächst zur Weltbefreierin.
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Aus wüstem Chaos, eklem Untergang
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Der Menschlichkeit, schamlosem Willenszwang
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Der Schaffenden, zermürbendem Gebot,
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Aus Volksverachtung, Überfluß und Not,
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Aus rohem Wettstreit, der in Waffen starrt,
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Aus Habgier, die das Volk mit Teurung narrt,
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Aus Herrschsucht, die den freien Geist erschlug,
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Steigt endlich die Erlösung ...
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Nun genug
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Des Übermuts und der verpraßten Kraft!
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Der Erde Grollen sprengt des Unheils Haft.
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In allen Ländern keimt Verkündigung,
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Der neue Heerbann schwillt, die Zeit wird jung –
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Das schwache Boot, der Pioniere Kahn
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Im Land der Not, auf wildem Ozean
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Als Rettungsdampfer zieht er stark hinaus
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Durch Wahnsinns Wogen, Schreckens Gischt und Graus.
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Die kühn und klar den Kurs hindurch genommen,
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Du Kämpferschar der Weltfreiheit – willkommen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Karl Henckell
(18641929)

* 17.04.1864 in Hannover, † 30.07.1929 in Lindau

männlich, geb. Henckell

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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