Glutsommer Siebzig. Spichrer Höhen dampften

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Karl Henckell: Glutsommer Siebzig. Spichrer Höhen dampften Titel entspricht 1. Vers(1896)

1
Glutsommer Siebzig. Spichrer Höhen dampften.
2
Kanonen heulten. Schwerschwadronen stampften.
3
Die Leiber zuckten in den Ackergrund,
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Entsetzen atmete der Erde Mund.
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Blut floß, als sei schon Rotwein-Kelterzeit.
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Dumpf Trommelwirbel! Die Trompete schreit.
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Und Zug auf Zug, im Opferrausche, stürmt.
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Hurra und Vorwärts! Leichen aufgetürmt!
9
Zehntausend Menschen weniger oder mehr.
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Hurra! du preußisches, du tapfres Heer! –
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Genommen! Sieg! Der Abend kühlt hernieder
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Und küßt mitleidig die erstarrten Glieder.
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Halbtote lechzen in die laue Luft,
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In ihre Nase wittert Leichenduft.
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Die roten Kreuze bahren auf, verbinden
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Und hören Sterbeseufzer sich entwinden.
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»mein Weib, mein armes, o mein armes – ah!«
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Der Rumpf schlägt hin. Hurra, Germania!
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Die Bibel offen. Feldpropst im Talar.
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Die schwachen Bataillone rund rangiert.
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»helm in die Hand!« der Hauptmann kommandiert.
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Der Feldpropst räuspert sich: »O, du da droben,
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Laß deinen unerforschten Ratschluß loben!
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Der heiligen Sache hast du Sieg gewährt
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Und deinen Willen wunderbar erklärt.
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Wir danken dir, du höchster Herr der Welt,
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Daß du des Erbfeinds Höllenplan zerschellt.
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Sei fürder mit uns! Segne du den König
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Samt Bundesfürsten!« Weiter dann eintönig:
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»laß deine Gnade aufgehn über allen,
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Insonderheit für die, so heut gefallen!
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Für dich sind sie geboren in den Tod.
33
Gott, sei uns gnädig! Hilf aus aller Not!« – –
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Die Mannschaft singt: »Herr Gott, dich loben wir!«
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– »Helm auf!« – Die Leute rücken ins Quartier.

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Jenseits im Tale ward zur selben Zeit
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Dem Gott Napoleons der Dienst geweiht.
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Matt, knielahm stehn sie mit gesunknem Blick
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Und denken an ihr trauriges Geschick.
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Im stillen ballt und krampft sich manche Faust,
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Indes der düstere Choral erbraust.
42
Fleuch du dem kaiserlichen Aar voraus
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Und stoß das Geiertier in Nacht und Graus!
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Gott segne, segne unser Herrscherhaus!
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Ich weiß, du wolltest uns gewiß erst prüfen.
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Nun leih uns Sieg! Wir schrein aus Herzenstiefen.«
47
Mit opferdumpfer Todergebung ziehn
48
In ihr Gelaß die dünnen Kompanien ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Karl Henckell
(18641929)

* 17.04.1864 in Hannover, † 30.07.1929 in Lindau

männlich, geb. Henckell

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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