Wie zeichnet das Gestrüpp des Winterwalds

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Karl Henckell: Wie zeichnet das Gestrüpp des Winterwalds Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Wie zeichnet das Gestrüpp des Winterwalds
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Im zarten Reif sich feinverästelt aus
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Und läßt mich durch den Mittag Wandelnden
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Verrankter Zweige Zierat klar erschaun!

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Es ist nicht Wirrnis mehr, es ist wie Bild
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Der Wirrnis hinter wunderbarem Glas,
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Das diese Welt im Urstand läßt und doch
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Zur lichten Schau das Wildverschlungne schlichtet.
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Mit meinem festen alten Wanderstab
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Berühr' ich säumend einen weißen Ast,
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Und wie ich stäubend seine Reiflast streife,
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Daß puderleicht sich die Kristalle sondern
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Und niederflocken aufs gefrorne Moos,
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Fällt blitzend ein verstärkter Sonnenstrahl
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Auf allen Wald, und zauberschimmernd blühn
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Vor meinem Blick gelöste Labyrinthe ...

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Plötzlich, wie traumgespiegelt, schau ich tief,
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Doch nah, vom Wasserfall, der schäumend stürzt,
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Da drüben eines Jünglings jähen Schritt
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Durchs Dickicht stürmisch suchen seinen Pfad.
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In seinen Augen glüht ein hoher Wahn,
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Der Sehnsucht wilder Brand in seinem Blute
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Malt sich im ungestümen Muskelspiel,
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Das gierig, grausam unbefriedigt zuckt.

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Der kecke Waghals weiß nicht ein noch aus
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Mit seinem Willen, seinem Wege mehr,
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Das Dickicht schließt ihn undurchdringlich ein,
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Umklammert ist er von Gespensterarmen
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Verworrner Äste, die ihn niederziehn,
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Und wie er blindlings rast, sich zu befrein,
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Ihn straucheln lassen höhnisch, fratzenhaft,
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In Sumpf und Schlick, den er vor Kräftetaumel
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Und tollem Durchbruchsfieber nicht gesehn,
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In Schlick und Schlamm und trichtertiefen Tod
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Des gähnenden, erstickenden Morastes ...
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Ein Schleier hüllt den Gleitenden. – Verwischt,
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Verhaucht des Schemens wirrer Schicksalsweg.

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Rings zeichnet das Gestrüpp des Winterwalds
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Im zarten Reif sich feinverästelt aus
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Und läßt mich durch den Mittag Wandelnden
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Aufatmend in kristallne Helle schaun.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Karl Henckell
(18641929)

* 17.04.1864 in Hannover, † 30.07.1929 in Lindau

männlich, geb. Henckell

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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