25.

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Karl Henckell: 25. (1896)

1
Der Mond, der Träume Meister, schwebt im Blauen,
2
Auf Strahlenbrücken gleitet leise hin,
3
Versunken in ein selbstverlornes Schauen,
4
Der nachtgelöste, weltallkühle Sinn.
5
Ich fühle feuchten Glanz herniedertauen
6
Mit silbermaschig perlendem Gespinn,
7
Die Bäume tropfen von verklärtem Lichte,
8
Und durch die Seele rieseln Sterngedichte.

9
Gefangen von des Schimmers Zaubernetze,
10
Schaukl' ich im Schoße der Unendlichkeit ...
11
Und meines Geistes reinste Sehnsucht letze
12
Vollkommen ich, von Wünschen unentweiht.
13
Wie selbstentrückt genieß' ich die Gesetze,
14
Vom Wahne meines engen Ich befreit,
15
Das sich am Tage bannt in nächste Kreise
16
Und wirkt nach seines Triebs beschränkter Weise.

17
Hier geh' ich auf, hier geb ich mich der Größe
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Und ihrem unverbrüchlich sichern Gang,
19
Kein Himmelsstürmer mit Pygmäenblöße,
20
Der aufbegehrt gen übermächtigen Zwang.
21
Ich wittre weltweit Ätherwellenstöße,
22
Der feinsten Elemente Fluß und Drang,
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Der mondesaugigen Gottheit Atemzüge
24
Atm' ich im Gleichtakt, fern der Lebenslüge.

25
Und meiner Eigensuchten Bürde sinken
26
Fühl' ich wie Ballast auf der Erde Grund,
27
Aus leichtern Sphären Allgefühl zu trinken,
28
Heb' ich den Himmelsbecher an den Mund.
29
Unendlich Schlürfen! Mondesfeen winken
30
Und schließen mich in ihren Schwebebund,
31
In ihrem zartgewobnen Strahlenreigen
32
Seh ich mit mir die Liebste sternwärts steigen.

33
In keuscher Formenklarheit offenbaren
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Sich irdischer Bilder Umriß und Gestalt,
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So rein, wie wir sie Tages nie gewahren,
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Wo von den Dingen grell der Lichtpfeil prallt.
37
Der Menschen Wohnungen wir neu gewahren
38
Wie marmorweiß – mit magischer Gewalt
39
Umgießt ein Abglanz überirdischer Helle
40
Der Villen Gärten und des Sees Welle.

41
Nun sind die Stunden, wo die Zeit vergangen
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Und alles zittert unermeßlich tief,
43
Durchsichtige Silberschleier niederhangen
44
Vom Haupt der Mondfrau, die geblendet schlief –
45
Nun hält in allumfassendem Verlangen
46
Die Nacht in weißer Hand den goldnen Brief,
47
Drin sie die Welt verschwenderisch begnadet,
48
Zum Traum in blaue Sternensäle ladet ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Karl Henckell
(18641929)

* 17.04.1864 in Hannover, † 30.07.1929 in Lindau

männlich, geb. Henckell

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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