Das schlimmste Tier in dem hochedlen Bunde

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Karl Henckell: Das schlimmste Tier in dem hochedlen Bunde Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Das schlimmste Tier in dem hochedlen Bunde
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Heißt Mammonitis, wulstig aufgebläht,
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Die Wucherin mit dem gemeinsten Pfunde,
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Die einzig nach dem ewigen »Mehr«-Wert späht.
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Sie betet mit dem Geldschrankschlüsselbunde
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Vor einem Altar, dran ein Gauner kräht,
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Verkappt in ehrlichen Verdienstes Robe:
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»dem Mammon Heil, den heiligen Mammon lobe!«

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Was adlig atmet, herzrein sich gestaltet,
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Was geisteskühn zum Sonnenlichte drängt,
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Was liebend sich in freier Luft entfaltet
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Und freudeschwellend seine Knospen sprengt,
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Worin der Genius der Wahrheit waltet,
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Der niemals niederm Stoffe sich vermengt,
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Das wird verleugnet nur und preisgeboten
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Von Geldessklaven und Besitzdespoten.

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Was frommt's, Besitz und Geldeswert verdammen?
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Der Mensch hat Selbstsucht, wünscht sein eigen Teil.
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Weil wir von Tieren, nicht von Engeln stammen,
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Hält Beutelust selbst Bruderliebe feil.
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Raff denn, wer mag, sein Häuflein hier zusammen,
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Liegt in Gemeinschaft auch das höhere Heil –
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Vor Übermenschlichem bleibt Adam stutzig,
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Doch Geldgesinnung nenn' ich schlechthin schmutzig.

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Sie ist's, die eisig Mensch vom Menschen scheidet
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Und dünkelhaft sich spreizt in eklem Wahn,
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Die sich am Bild der Armut heimlich weidet
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Und tief geringschätzt, die gering sich nahn.
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Dem Volk hat sie der Arbeit Lohn verleidet
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Und Haß gesät, wo Väter Liebe sahn:
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Hochmütig hütet sie die saubern Hände
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Vor der Besudlung durch die »untern Stände«.

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Brutal setzt sie den Fuß auf jener Nacken,
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Die sich im Schweiß des Angesichtes mühn,
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Im Überfluß geneigt, noch abzuzwacken
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Vom sauren Lohn, des Saaten spärlich blühn.
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Sie läßt für sich wohl hämmern, weben, hacken,
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Den Acker bauen und das Eisen glühn,
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Doch gilt's, zu sorgen für die »niedern Klassen«,
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Glaubt sie sich bestenfalls – herabzulassen.

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Trumpf ist der Geldsackstolz im Spiel der Tage,
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Darin ich lebe. Kümmerliche Schau!
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Der Wert des Menschen selbst scheint eine Sage
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Trotz Unfallsicherung und Kirchenbau.
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Schätzung der Schaffenden mit gleicher Wage,
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Darin das Zünglein Recht zeigt haargenau,
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Muß ich trotz Brosämlein vom Herrschaftskuchen
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Mit der Diogeneslaterne suchen ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Karl Henckell
(18641929)

* 17.04.1864 in Hannover, † 30.07.1929 in Lindau

männlich, geb. Henckell

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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