Und Liliensinn soll meinen Kampf verklären

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Karl Henckell: Und Liliensinn soll meinen Kampf verklären Titel entspricht 1. Vers(1896)

1
Und Liliensinn soll meinen Kampf verklären,
2
Denn Kampf wird währen, bis die Flamme loht,
3
Darin dereinst sich wieder wird gebären
4
Geheimnisvoll das Leben durch den Tod.
5
Mich treibt ein Geist aus freiern Liebessphären,
6
Der liegt in Fehde mit dem Geist der Not
7
Und wirft, bis sich verwandeln diese Züge,
8
Den Handschuh hin der Knechtschaft und der Lüge.

9
Viel kleine Götzen sind die Abgesandten
10
Der großen Götzen Lüge, Knechtschaft, Not,
11
Ein Schwarm von festverhäkelten Verwandten,
12
Gebrütet von der Nacht, gezeugt vom Kot.
13
Das sind die ewig aus dem Licht Verbannten,
14
Verräter Gottes gleich Ischariot –
15
Die Riesenwanzen, die der Sterne besten
16
Mit ihrem gräulichen Gestank verpesten.

17
Sinnbild für Unergründliches wird dauern,
18
Solang der Mensch sich weltgebunden fühlt,
19
Du mußt vor dem Unendlichen erschauern
20
Und wirst vom Rätsel grüblerisch durchwühlt.
21
Erkenntnis stößt an nie erklommne Mauern,
22
Nie wird der Brand der Sehnenden gekühlt,
23
Der tiefer brennt als aller Weisen Wissen,
24
Bis er verlischt in fahlen Finsternissen.

25
Und ewig werden arme Seelen jammern
26
Nach reichen Gütern, die unsterblich sind,
27
Und bis die Erde geht aus ihren Klammern,
28
Wird Himmel baun das schwache Menschenkind.
29
Den Weltbejublern und den Weltverdammern
30
Wird vor dem einen Punkt die Brille blind,
31
Sie müssen Fluch und Segen unterlassen
32
Und schweigend nehmen, was sie nicht erfassen.

33
Den schlichten Glauben will ich nicht verhöhnen,
34
Der sich am halben Wissen schlecht genügt,
35
Nie sprengt die Pforten auf des Zweiflers Stöhnen,
36
Bis er verzichtet und sich ruhig fügt ...
37
Doch Blitz und Donner sollen niederdröhnen
38
Auf eine Kirche, die das Volk belügt
39
Und sich samt Oberhaupt und Priesteranden
40
Stets auf Betrug der Menschheit hat verstanden!

41
Mit Fälschung aufgesäugt von Anbeginne,
42
Seit Konstantins erlognem Schenkungsakt
43
Von Sucht nach Herrschaft schwanger und Gewinne,
44
Fett mästend sich mit allem, was sie packt,
45
Hat sich die ungeheure schwarze Spinne
46
Mit Blut »der dummen Bauern« vollgesackt
47
Und spannt die schlauverknüpften Riesennetze,
48
Nach Beute lüstern wie die frömmste Metze.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Karl Henckell
(18641929)

* 17.04.1864 in Hannover, † 30.07.1929 in Lindau

männlich, geb. Henckell

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.