Frühlingsspiel

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Karl Henckell: Frühlingsspiel (1896)

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Der Sprengstoff flog. Doch ich flog nicht dabei.
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Froh fühl' ich nur: von »Jugend« ward ich frei.
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Erst scheint es Lähmung einen Augenblick,
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Man wirft den Arm, man schüttelt das Genick,
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Man springt behutsam über einen Graben
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Und merkt, man ist noch Herr von seinen Gaben,
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Setzt sich vergnügt auf einen Stein und denkt:
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Der klare Wein wird langsam eingeschenkt.

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O diese Lust, sein Leibliches zu strecken,
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Von ungefähr sich selber zu entdecken,
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Den echten Kerl mit seinem Rattenkaiser
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Von Riesenwünschen, die nun leiser, leiser
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Und immer leiser pfeifen, flau zu hören,
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Doch nimmer mein gewitzigt Ohr betören.
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Ihr schlauer Pfiff aus jeder Tonart zog
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In Spalt und Schlund mich, und er log, er log!

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Ich lebe noch. 's ist nicht so schlicht begriffen.
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Der Rattenpfiff hat mir nun ausgepfiffen.
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Und ob sie noch so majestätisch prahlen,
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Bin doch der Herr von meinen Idealen.
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Und ob sie strahlen noch so souverän,
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Bin doch der Herr der Banner, die sich blähn,
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Als wären sie die Weiser meiner Ziele,
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Und sind doch meiner Finger Frühlingsspiele.

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Ja, Frühlingsspiel, mit sichrer Hand geübt,
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Mein Leben sei, wie sich der Tag auch trübt!
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Nur einem treu im heiter-ernsten Spiele,
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Nicht Volk, nicht Menschheit, keinem »heiligen Ziele«,
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Nur mir treu, mir, in dessen Hirn sich zeugt
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Das Ziel selbst, das so gern sich Knechte beugt ...
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Frei wie ein Lichtfürst über Meer und Land
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Mit Sternengold und Hermelingewand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Karl Henckell
(18641929)

* 17.04.1864 in Hannover, † 30.07.1929 in Lindau

männlich, geb. Henckell

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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