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Ein Sonntag war's – lang, lang ist's her,
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Vierzig Jahr' und etliche mehr;
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Mir sproßte noch kaum der erste Flaum –
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Da trat ich in den geweihten Raum,
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»der Tunnel über der Spree« genannt,
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Wo Sonntags sich zusammenfand
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Ein Kranz Berlinischer Geisteslichter,
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Geheime und öffentliche Dichter,
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Die fanden ein inniges Behagen,
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Ihre neusten Verse sich vorzutragen,
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Balladen, Oden, Lieder und Dramen
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Im Schutz erlauchter Dichternamen.
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(lessing, Immermann traf man dort,
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Bürger, Schenkendorf und so fort.)
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Darauf so ernsthaft als gemütlich
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Tat man an scharfer Kritik sich gütlich,
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Und schließlich ward reihum gefragt,
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Wie jedem die Leistung zugesagt,
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Welche Zensur er verleihen möcht':
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Gut – sehr gut – ziemlich – oder schlecht.
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Das mußten sich hergebrachtermaßen
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Die würdigsten Herrn gefallen lassen. –
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Mir deuchte das ein kurioser Brauch,
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Hatt' aber doch sein Gutes auch,
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Denn alt und jung und arm und reich –
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Vor der Kritik waren alle gleich,
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Und selbst der ältste Geheimerat
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Für schlechte Verse Buße tat.
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(war freilich an Geheimeräten
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Kein Mangel unter den Tunnelpoeten.)
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Mir grünem jungem Studentenblut
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Ward in dem Schwarm nicht wohl zumut,
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Hatte mir doch die Dichterwelt
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Ein wenig anders vorgestellt.
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Da schwankte mit wiegendem Seemannstritt
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An mir vorüber der dicke Smidt.
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Ihm nickte zu sein treuer Gesell,
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Der fette blonde Hesekiel,
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Und neben ihm schwieg stundenlang
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Der Mann, der Waterloo besang.
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Mild lächelnd plauderte Schulrat Bormann,
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Stets andrer Meinung als sein Vormann.
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Franz Kugler führte den Eulenstab,
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Trat oft dem kleinen Merckel ihn ab,
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Der sehr harmlose Satire trieb,
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Den »Frack des Herrn von Chergal« schrieb.
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Auch Kriegern war die Muse geneigt,
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Die sonst wohl unter den Waffen schweigt;
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Freund Lepel glänzt' hervor aus ihnen;
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Und bildende Künstler waren erschienen,
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Mein teurer Menzel, der immerdar
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Heimlicher Lyrik verdächtig war.
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Doch ich, der unter den letzten saß,
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Fragte mich heimlich: Sind sie das?
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Sind das die Tunnelgrößen alle?
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Da ging die Tür, und in die Halle
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Mit schwebendem Gang wie ein junger Gott
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Trat ein Verspäteter, frei und flott,
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Grüßt' in die Runde mit Feuerblick,
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Warf in den Nacken das Haupt zurück,
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Reichte diesem und dem die Hand
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Und musterte mich jungen Fant
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Ein bißchen gnädig von oben herab,
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Daß es einen Stich ins Herz mir gab.
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Und wahrlich zeigte sich's bald genug,
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Daß »Phöbus' Wort in mir kein Lug«.
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Denn als am Tischlein er niedersaß
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Und hob nun an – weiß nicht mehr, was,
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Ob's von den »Männern und Helden« war,
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Oder Archibald Douglas gar,
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Oder der Tag von Hemmingstedt –
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Weiß nur, wie gerne gelauscht ich hätt'
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Auf dieser beseelten Stimme Klang,
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Da sie nun schwieg, noch stundenlang,
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Und wacht' erst auf aus meinem Traum,
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Als um mich her im dämmrigen Raum
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Die »Sehr gut!« wurden eingesammelt.
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»sehr gut!« Wie oft noch klang's im Chor
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Zu deinem Liede, Freund Theodor!
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Wie manchmal sagt' ich's vor mich hin,
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Seit ich im Süden heimisch bin,
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Wenn mir von dir ein Büchlein kam,
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Heimweh mich wieder gefangen nahm
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Nach unsrer Mark, so lieb und schlicht,
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Wie einer Mutter Angesicht,
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Das, ob's auch unscheinbar vielleicht,
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Den Kindern immer das schönste deucht.
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Wie fühlte mein Herz sich wieder jung,
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Nahmst du mich mit auf die Wanderung
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Durch Oderbruch oder Osthavelland –
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Der Wagen ächzt im mahlenden Sand,
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Nichts Hochromantisches rings zu sehn,
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Pappeln, umschwirrt von Spatzen und Krähn,
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Ein roter Kirchturm hin und wieder,
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Ein Schloßdach dunkelt schwarz hernieder,
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»dächer von Ziegel, Dächer von Schiefer, –
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Dann und wann eine Krüppelkiefer,
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Am trägen Flusse Schilf und Rohr,
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Und am Abhang schimmern Kreuze hervor –«
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Ein Land, mit dem verwöhnte Touristen
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Wohl nicht viel anzufangen wüßten.
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Doch haftet des Dichters Auge dran,
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Fängt alles zu leben, zu leuchten an.
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Aus alten Familiengrüften zuhauf
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Steigen verschollne Geschlechter auf
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Und haben ernste und heitre Geschichten
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Dem horchenden Wandrer zu berichten.
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Und der dicke Krüger, die stämmige Magd,
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Der Flachskopf, der am Daumen nagt,
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Das leibt und lebt so frisch und echt,
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Spricht seine Sprache schlecht und recht;
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Ist nichts so groß und nichts so klein,
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Der Dichter schließt's in sein Herz hinein,
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Und wie er geliebt, was er beschrieben,
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So müssen wir's nun wieder lieben.
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Denn also war's von Anbeginn:
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All eure Kunst bringt nicht Gewinn,
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Blickt zwischen den bunten Zeilen nicht
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Hervor ein Menschenangesicht,
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Das seine eigenen Züge trägt;
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Ob's nun zur Ehrfurcht uns bewegt,
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Oder treuherzig lächeln mag:
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Ich bin von bürgerlichem Schlag.
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Doch lieb' ich alles, was diese Welt
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An schlichter Menschlichkeit enthält,
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An Geistesadel und Seelenglut,
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Scheinlosem Verdienst und Heldenmut
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Und Anmut, die in dürft'ger Hülle
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Sich labt an Liebes- und Lebensfülle.
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Das freilich zu erkennen taugen
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Nur liebevolle Poetenaugen.
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Doch wer aus solchen Augen schaut,
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Der, wenn des Alters Zwielicht graut,
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Blickt noch so klar ins Leben hinein,
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Wie einst im Jugendsonnenschein.
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So grüßest auch du den Freund noch immer,
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Tritt er zu dir ins traute Zimmer,
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So prunklos bürgerlich noch heut,
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Fast wie zur achtundvierziger Zeit.
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(sind unsre Dichter doch nicht gewohnt,
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Daß man sie königlich belohnt,
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Und hätten sie mit Feuerzungen
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Des Vaterlandes Ruhm gesungen.)
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Und staunend hab' ich bei mir gedacht:
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Was fabelt man von der Jahre Macht?
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Trat er viel anders dazumal
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In den rauchgeschwärzten Tunnelsaal?
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Sitzt er als Murmelgreis gebückt,
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Seit bei den Siebz'gern er eingerückt?
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Ein leiser Reif hat angestaubt
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Sein appollinisches Lockenhaupt,
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Doch pflegt er's immer noch hoch zu tragen,
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Und wollt' ich ihn aufs Gewissen fragen:
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Spürst nun auch du, mein alter Freund,
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Daß nicht so hell mehr die Sonne scheint?
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Er würd' einen Scherz vom Zaune brechen
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Und sein Berlinisch »Is nich!« sprechen. –
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So recht! So laß, wie die Jahre schwinden,
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Dich immer tapfer den Alten finden.
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Zeige den Jungen, den Naturalisten,
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Wie sie's eigentlich machen müßten,
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Wollten sie Wirkliches nur verehren
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Und doch als Dichter sich bewähren,
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Und sieh dem tollen Lauf der Zeiten
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In heiterm Gleichmut zu vom weiten.
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Du lässest ja zwischen Ernst und Lachen
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Dem, der getreu sich bleibt wie du,
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Fällt auch die Treue der andern zu.
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Und nimmt dir einst den Wanderstab
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Der Wirt »zur stillen Einkehr« ab,
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Gib acht, nicht bleibt's bei müßigem Trauern:
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Nicht viele Jahre fürwahr wird's dauern,
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Da werden die Enkel in
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Nicht doch! gleich mitten im alten Berlin
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Ein schmuckes Standbild dir errichten,
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Reliefs am Sockel aus deinen Gedichten,
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Treffliche Reden werden erschallen
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Und dichtumschart die Hülle fallen
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Unter Musik und Vivatgeschrei.
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Unsichtbar bist du auch dabei
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Und blickst hernieder aus Sternenhöh'n.
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Ich höre dich sprechen: »Wunderschön!
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Ein herrliches Kunstwerk! Doch verzeiht –