Die Heide riecht nach Menschenblut

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Hermann Löns: Die Heide riecht nach Menschenblut Titel entspricht 1. Vers(1890)

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Die Heide riecht nach Menschenblut
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Und riecht nach Todesschweiß,
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Und blutig ist des Baches Flut,
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Und geht so träg' und leis';
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Und ging am Morgen flink und laut
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Und ging so hell und klar,
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Viel guter Männer rotes Blut
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Hinein geronnen war.

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Und Kaiser Karl sitzt stumm und still,
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Sein Angesicht ist blaß,
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Der Blutdunst nicht vergehen will,
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Es qualmt das Räucherfaß;
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Nach Todesangstschweiß riecht die Luft,
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Der Wind weht Blutgeruch,
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Er weht zum Kaiserzelt hinein
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Eines ganzen Volkes Fluch.

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Es wagt kein witzig Wort der Narr,
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Kein Wort der Kardinal;
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Des Kaisers Augen blicken starr,
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Sein Mund ist eng und schmal;
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Des Kaisers Lieblingslustmagd schaut
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Voll Furcht in ihren Schoß,
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Kein Lächeln gab ihr heut' der Herr,
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Sein Zorn ist allzu groß.

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Vom Lager weht der Wind heran
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Gelächter und Gesang,
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Ein blonder Sachsenfiedelmann
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Ergötzt mit Geigenklang
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Und Schelmenlied das Frankenvolk;
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Der blasse Kaiser winkt,
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Die Wache eilt, zum Kaiserzelt
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Den fremden Mann sie bringt.

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Der steht und starrt auf all die Pracht
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Und blicket blöd' und dumm,
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Der Würzwein hat ihn blind gemacht,
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Ein Lächeln geht rundum;
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Der Kaiser winkt, der Fiedler stellt
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Sich nach Gewohnheit hin,
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Bein über Bein, den Kopf geneigt,
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Die Fiedel an dem Kinn.

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Die Fiedel singt, die Fiedel klingt,
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Als wenn im grünen Hag
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Aus allen Zweigen lustig springt
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Der bunten Finken Schlag;
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Der Todesschweißgeruch zerfliegt,
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Der Blutdunst ist zerweht,
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Um Kaiser Karels dunkle Stirn
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Ein heller Schimmer geht.

49
Die Fiedel singt, die Fiedel klingt,
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Es lacht des Spielmanns Mund,
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Ein Liebessehnsuchtslied er singt,
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Das klingt so weh und wund;
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Des Kaisers Augen werden mild,
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Er winkt, der Schenk gießt ein
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Und reicht dem blonden Fiedelmann
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Den Kelch mit rotem Wein.

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Der dankt und trinkt, die Neige rinnt
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Blutrot ihm auf die Hand,
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Er starrt drauf hin und sinnt und sinnt,
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Der Nachtwind singt im Land;
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Der Spielmann wirft den Kopf zurück,
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Seine Lippen werden hart,
63
Mit hasseheißem Racheblick
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In die leere Luft er starrt.

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Die Fiedel schreit, die Fiedel kreischt,
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Es lacht des Spielmanns Mund,
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Ein sonderbares Lied er spielt,
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Ein Trutzlied, kraus und bunt,
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Das Lied, das sich das Sachsenvolk
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Erfand in seiner Not,
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Ein Lied voll Wut und Mut und Glut
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Und wie die Flamme rot.

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Die Fiedel schreit, die Fiedel kreischt,
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Und röchelt und stöhnt,
75
Sie murret leise vor sich hin
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Und spottet und höhnt;
77
Ein jeder Ton ein Jammerschrei,
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Jedweder Klang ein Fluch;
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Der Kaiser winkt mit matter Hand:
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»genug, es ist genug!«

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Über die Heide geht der Wind
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Wimmernd hin und her,
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In seinem Zelte sitzt und sinnt
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Der Kaiser, sein Herz ist schwer;
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Das Lied, das Lied, das bunte Lied,
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Es schafft ihm arge Pein:
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Er weiß, an seinem Sterbetag
88
Wird es wieder bei ihm sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Löns
(18661914)

* 29.09.1866 in Chełmno, † 26.09.1914 in Loivre

männlich

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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