Die Varusschlacht

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Hermann Löns: Die Varusschlacht (1890)

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Der Herdrauch zog die Diele entlang,
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Im Feuer schwelte der Torf,
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Und um das Feuer, da saß im Kreis
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Die ganze Jungmannschaft vom Dorf;
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Sie hatten es alle vernommen,
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Es ging von Haus zu Haus:
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»wülfke ist wiedergekommen,
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Er gibt heute abend eins aus!«

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Und Wülfke, der griente und legte dann los:
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»na ja, das war schon ein Spaß,
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Wenn's auch den römischen Kerls nicht so schien,
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Denn scheußlich bekam ihnen das;
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Was machten sie sich auch so mausig,
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Uns ging die Geduld schließlich aus,
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Na, und da, da ging's ihnen lausig,
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Kaum einer fand wieder nach Haus.

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Na ja, wie das nun gekommen ist,
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Das weiß ich nicht mehr so genau,
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Ich trank am Abend gefährlich viel Bier
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Und war am Morgen noch blau;
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Es saß da auf so 'nem Dinge
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Ein Kerl und machte sich breit,
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Er hatte die Finger voll Ringe
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Vor lauter Hoffärtigkeit.

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Na ja, der prahlte in einem weg,
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Bloß daß ich kein Wort von verstand,
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Ein Mann aus der Gegend, der meinte zu mir,
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Er hätt' uns Gesindel genannt;
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Das wollt' mir denn doch nicht recht passen,
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Vor den Augen wurd's mir ganz rot,
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Ich konnt' es wahrhaftig nicht lassen
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Und bölkte wie unklug: schlah' dot!

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Na ja, da ging die Geschichte denn los,
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Mir wurde davon erst ganz dumm;
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Wohin ich auch sah, fiel ein römischer Kerl,
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Wie'n Schwein beim Schlachtefest um;
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Da spuckt' ich denn auch in die Hände
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Und kriegte mein Messer her,
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Ein ganzes langes Ende
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Weiß ich nun aber gar nichts mehr.

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Na ja, denn über- und überall
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Da ging's: schlah' dot, schlah' dot!
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Und als ich wieder zu mir kam,
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Mein Arm war bis obenhin rot;
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Zum Kuckuck war mein Messer,
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Da langte ich mir ein Schwert,
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Das flutschte denn doch noch besser;
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Es hängt da hinter dem Herd.

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Na ja, so ging's denn in einem fort,
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Wir brachten sie schön auf den Trab,
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Ich habe die Nase noch voll von dem Kerl,
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Dem ich den Kälberfang gab;
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Er tat man so blitzen und blinken
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Vor Gold und Edelgestein,
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Und nach Maiblumen tat er stinken;
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Sie schmieren mit so was sich ein.

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Na ja, doch gegen die Melkezeit,
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Da wurd' mir ganz albern vor Durst,
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Ob das von der hillen Arbeit nun kam,
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Oder ob von der salzigen Wurst?
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Da hab' ich denn Wasser getrunken,
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Wahrhaftig als wie ein Stück Vieh,
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Und das Wasser, das hat gestunken,
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Solchen Kuhdurst hatt' ich noch nie.

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Na ja, das tat mir denn hinterher leid,
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Denn im Lager war mächtig viel Wein,
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Das Bier da zu Lande ist ja ganz schön,
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Aber Wein ist noch einmal so fein;
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Doch muß man sich erst dran gewöhnen,
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Denn Kinder, ich sage euch bloß,
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Ich wurde im Brägen das Dröhnen
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Volle drei Tage nicht los.«

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Er spuckte in das Feuer hinein
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Und trank sein Warmbier aus,
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Die anderen plinkten sich heimlich zu
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Und gingen dann alle nach Haus;
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Doch ehe sie abseits bogen
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Zum Moor und nach der Heid',
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Da hieß es: »Na, der hat gelogen
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Nach der schweren Schwierigkeit!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Löns
(18661914)

* 29.09.1866 in Chełmno, † 26.09.1914 in Loivre

männlich

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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