Ach, wenn es doch ein Traum gewesen wäre

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Hermann Löns: Ach, wenn es doch ein Traum gewesen wäre Titel entspricht 1. Vers(1890)

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Ach, wenn es doch ein Traum gewesen wäre,
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Hätt ich
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Ich fühlte nicht so tief des Herzens Leere
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Und lauschte nicht verschollenem Gesang;
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Ein schöner Traum ist bald vergessen –
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Man denkt nur selten noch an ihn zurück,
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Und das verwaiste Herz zerfressen
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Nicht stumme Seufzer um begrabnes Glück,
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Das Bild verblaßt, zerstiebt wie Meeresschaum,
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O, warum träumt ich auch nicht diesen Traum.

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Die Sonne sinkt, vergoldend Rügens Höhen,
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Wie Purpur glänzt des Boddens düstre Bucht,
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Im leisen Windhauch zu uns nieder wehen
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Der Möwe Laute, die ihr Sandbett sucht,
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Weither des Leuchtschiffs Lampe flimmert,
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Noch einmal pfeift der Dampfer grell und schrill,
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In dem zerfallnen Kloster wimmert
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Das Käuzchen – dann ist alles stumm und still,
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Da saßen wir, dicht an des Meeres Saum,
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So ruhig, stillzufrieden, wie im Traum.

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Und später, als die Stunde längst entflogen,
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Da stand ich wieder dort, es scholl der Schrei
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Der Möwe gellend über schwarze Wogen,
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Der Nordwind fauchte grimme Melodei;
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Mit trocknem, starrem Auge schaute
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Ich trostlos auf das krampfdurchzuckte Meer,
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Kein warmer Hoffnungsschimmer graute
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In dem vereisten, öden Herzen mehr,
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Und um den Ort, wo ich geträumt den Traum,
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Da spritzte geifriggelber Wellenschaum.

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Wie oft hab ich gewünscht in frühren Tagen:
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Was ich geträumt, o wäre es doch wahr!
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Ich wollte mir das volle Glück erjagen,
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Wie es im Traum mir wurde offenbar;
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Und jetzt, – o hätt ich nie empfunden
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Dies schnellzerplatzte, traumgleich kurze Glück,
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Ich dächte nicht in düstern Stunden
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So oft an jenen Abend noch zurück,
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Ich gäbe jetzt den Klagen keinen Raum
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Um eine Stunde Glück, um einen Traum.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Löns
(18661914)

* 29.09.1866 in Chełmno, † 26.09.1914 in Loivre

männlich

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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