Das Leben

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Gustav Sack: Das Leben (1900)

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Ich rief dich nicht, du zerrtest mich hervor
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aus meines Nichtseins tiefer Seligkeit
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in diese qualgedehnte Spanne Zeit
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und hämmertest mir stündlich dann ins Ohr:

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»das Sein, in das ich dich heraufbeschwor,
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sieh, es ist nichts; ein Knäul von Widerstreit
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endend im Tod; und Unerkennbarkeit
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ist deiner Weisheit Schluß: zeuch fort, du Tor!« –

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Ich rief dich nicht, doch gabst du mir die Kraft
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zum Fluch, so fluch ich dir: vermaledeit
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in Grund sei jener lustverbrämte Saft

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und süße Höllenschaum, der, todgefeit,
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des Lebens Ringe ewig weiter trägt
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und blutige Ketten um die Erde schlägt,

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verflucht – – doch fluch ihm nicht: es flucht durch dich;
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und lieb es nicht: das sich in dir nur wieder
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liebt wie in jeder Rose, jedem Flieder,
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ob auch ein Wurm sich in die Blüte schlich.

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Denn was du tust, das tut das Leben sich,
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es singt in dir eins seiner bunten Lieder,
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wenn es durch tausend Skalen auf und nieder
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streicht seinen ungeheuren Geigenstrich.

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Drum fluch ihm nicht und laß es nur geschehn,
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daß jeder neue Morgen dich erneut,
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und laß dich treiben, wie die Wolken wehn,
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in wolkenhoher Unbekümmertheit.
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Flieg! Flieg! der Gipfel ist schon festgestellt,
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der deinen Flug zerbricht und dich zerschellt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Sack
(18851916)

* 28.10.1885 in Schermbeck, † 05.12.1916 in Rumänien

männlich, geb. Sack

deutscher Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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