Die Stadt der Qual

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Georg Heym: Die Stadt der Qual (1899)

1
Ich bin in Wüsten eine große Stadt
2
Hinter der Nacht und toten Meeren weit.
3
In meinen Gassen herrscht stets wilder Zank
4
Geraufter Bärte. Ewig Dunkelheit

5
Hängt über mir wie eines Tieres Haut.
6
Ein roter Turm nur flackert in den Raum.
7
Ein Feuer braust und wirft den Schein von Blut
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Wie einen Keil auf schwarzer Köpfe Schaum.

9
Der Geißeln Hyder bäumt in hoher Faust.
10
In jedem Dunkel werden Schwerter bloß.
11
Und auf den Toten finstrer Winkel hockt
12
Ein Volk von bleichen Narren, kettenlos.

13
Der Hunger warf Gerippe auf mich hin.
14
Der Brunnen Röhren waren alle leer;
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Mit langen Zungen hingen sie darin,
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Blutig und rauh. Doch kam kein Tropfen mehr.

17
Und gelbe Seuchen blies ich über mich.
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Die Leichenzüge gingen auf mir her,
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Ameisen gleich mit einem kleinen Sarg,
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Und winzige Pfeiferleute bliesen quer.

21
Altäre wurden prächtig mir gebaut
22
Und sanken nachts in wildem Loderschein.
23
Im Dunkel war der Mord. Und lag das Blut
24
Rostfarbner Mantel auf der Treppen Stein.

25
Asche war auf der Völker Haupt gestreut,
26
Zerfetzt verflog ihr hären Kleid wie Rauch.
27
So saßen sie wie kleine Kinder nachts
28
In tauber Angst auf meinem großen Bauch.

29
Ich bin der Leib voll ausgehöhlter Qual.
30
In meinen Achseln rotes Feuer hängt.
31
Ich bäume mich, und schreie manchmal laut,
32
In schwarzer Himmel Grabe ausgerenkt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Heym
(18871912)

* 30.10.1887 in Jelenia Góra, † 16.01.1912 in Gatow

männlich, geb. Heym

Unfalltod | Ertrinken

deutscher Schriftsteller, Vertreter des frühen Expressionismus

(Aus: Wikidata.org)

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