2.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Heym: 2. (1899)

1
Der großen Städte nächtliche Emporen
2
Stehn rings am Rand, wie gelbe Brände weit.
3
Und mit der Fackel scheucht aus ihren Toren
4
Der Tod die Toten in die Dunkelheit.

5
Sie fahren aus wie großer Rauch und schwirren
6
Mit leisen Klagen durch das Distelfeld.
7
Am Kreuzweg hocken sie zuhauf und irren
8
Den Heimatlosen gleich in schwarzer Welt.

9
Sie schaun zurück von einem kahlen Baume,
10
Auf den der Wind sie warf. Doch ihre Stadt
11
Ist zu für sie. Und in dem leeren Raume
12
Treibt Sturm sie um den Baum, wie Vögel matt.

13
Wo ist die Totenstadt? Sie wollen schlafen.
14
Da tut sich auf im ernsten Abendrot
15
Die Unterwelt, der stillen Städte Hafen,
16
Wo schwarze Segel ziehen, Boot an Boot.

17
Und schwarze Fahnen wehn die langen Gassen
18
Der ausgestorbnen Städte, die verstummt
19
Im Fluch von weißen Himmeln und verlassen,
20
Wo ewig eine stumpfe Glocke brummt.

21
Die schwarzen Brücken werfen ungeheuer
22
Die Abendschatten auf den dunklen Strom.
23
Und riesiger Lagunen rotes Feuer
24
Verbrennt die Luft mit purpurnem Arom.

25
Kanäle alle, die die Stadt durchschwimmen,
26
Sind von den Lilienwäldern sanft umsäumt.
27
Am Bug der Kähne, wo die Lampen glimmen,
28
Stehn groß die Schiffer, und der Abend träumt

29
Wie zarte goldene Kronen um die Stirnen.
30
Der tiefen Augen dunkler Edelstein
31
Umschließt des hohen Himmels blasse Firnen,
32
Wo weidet schon der Mond im grünen Schein.

33
Die Toten schaun aus ihrem Winterbaume
34
Den Schläfern zu in ihrem sanften Reich.
35
Und das Verlangen faßt sie nach dem Saume
36
Des roten Himmels und dem Abend weich.

37
Da stürzt sie Hermes, der die Nacht erschüttert
38
Mit starkem Flug, ein bläulicher Komet,
39
Den Grund herab, der meilentief erzittert,
40
Da singend ihn der Toten Zug durchweht.

41
Sie nahn den Städten, da sie wohnen sollen,
42
Draus goldne Winde gehn im Abendflug.
43
Der Tore Amethyst im tiefen Stollen
44
Küßt ihrer Reiherschwingen langer Zug.

45
Die Silberstädte, die im Monde glühen,
46
Umarmen sie mit ihres Sommers Pracht,
47
Wo schon im Ost wie große Rosen blühen
48
Die Morgenröten in die Mitternacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Heym
(18871912)

* 30.10.1887 in Jelenia Góra, † 16.01.1912 in Gatow

männlich, geb. Heym

Unfalltod | Ertrinken

deutscher Schriftsteller, Vertreter des frühen Expressionismus

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.