Palmyras Tempelstaub bläst auf der Wind

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Georg Heym: Palmyras Tempelstaub bläst auf der Wind Titel entspricht 1. Vers(1899)

1
Palmyras Tempelstaub bläst auf der Wind,
2
Der durch die Hallen säuselt in der Zeit
3
Des leeren Mittags, wo die Sonne weit
4
Im Blauen rast. Der goldene Atem spinnt,

5
Der goldene Staub des Mittags sich wie Rauch
6
Im Glanz der Wüste, wie ein seidenes Zelt
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Der ungeheuren Fläche. Dach der Welt.
8
Wie ferne Flöten tönt des Zephirs Hauch,

9
Und leise singt der Sand. Doch unverweilt
10
Jagt hoch das Licht. Damaskus' Rosenduft
11
Schlägt auf wie eine Woge in die Luft,
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Wie eine Flamme, die den Äther teilt.

13
Der weißen Stiere roter Blutsaft schäumt
14
Auf Tempelhöfen, wo das Volk im Kranz
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Des Blutes Regen fühlt, und seinen Glanz,
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Der mit Rubinen ihre Togen säumt.

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Ein Tänzer tanzt im blauen Mittagsrot
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Auf weißer Platte, der vom Strahle trank. –
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Das Licht entflieht. Der Libanon versank,
20
Der Zedern Haus, das sich dem Gotte bot.

21
Und westwärts eilt der Tag. Mit tiefem Gold
22
Ist weit des Westens Wölbung angefüllt:
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Des Gottes Rundschild, der die Schultern hüllt
24
Des Flüchtigen. Sein blauer Helmbusch rollt

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Darob im Sturme weit am Horizont,
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Am Meer, und seiner Inseln Perlenseil.
27
Er eilt dahin, wo schon der Ida steil
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Mit Eichen tost und dröhnt der Hellespont.

29
Das Stromland fort, dem grünen Abend zu.
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Wie der Drommete Ton erschallt sein Gang
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An Ossas Echo. Troas Schilf entlang,
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In rote Wälder tritt sein Purpurschuh,

33
In Sammetwiesen weich. Dem Feuer nach,
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Das einst gen Argos flog, tritt machtvoll er
35
Auf Chalkis hin. Darunter rauscht das Meer
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Hervor aus grüner Grotten Steingemach.

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Sein Arm, den er auf Meer und Lande streckt,
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Ragt dunkel auf wie eine Feuersbrunst.
39
Sein Atem füllt das Meer mit schwarzem Dunst,
40
Des weißes Maul die roten Sohlen leckt.

41
Auf Marathon schleppt seines Mantels Saum,
42
Ein violetter Streif, wo schon das Horn
43
Der Muschel stimmt am Strand der Toten vorn
44
Der Sturmgott laut aus weißer Brandung Schaum.

45
Des Rohres rote Fahnen rührt der Wind
46
Von seines Fußes Fittich um am Strand
47
Der fernen Elis, da der Nacht Trabant,
48
Schildknappe Mond, den dunklen Pfad beginnt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Heym
(18871912)

* 30.10.1887 in Jelenia Góra, † 16.01.1912 in Gatow

männlich, geb. Heym

Unfalltod | Ertrinken

deutscher Schriftsteller, Vertreter des frühen Expressionismus

(Aus: Wikidata.org)

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