Der Schläfer im Walde

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Georg Heym: Der Schläfer im Walde (1899)

1
Seit Morgen ruht er. Da die Sonne rot
2
Durch Regenwolken seine Wunde traf.
3
Das Laub tropft langsam noch. Der Wald liegt tot.
4
Im Baume ruft ein Vögelchen im Schlaf.

5
Der Tote schläft im ewigen Vergessen,
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Umrauscht vom Walde. Und die Würmer singen,
7
Die in des Schädels Höhle tief sich fressen,
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In seine Träume ihn mit Flügelklingen.

9
Wie süß ist es, zu träumen nach den Leiden
10
Den Traum, in Licht und Erde zu zerfallen,
11
Nichts mehr zu sein, von allem abzuscheiden,
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Und wie ein Hauch der Nacht hinabzuwallen,

13
Zum Reich der Schläfer. Zu den Hetairien
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Der Toten unten. Zu den hohen Palästen,
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Davon die Bilder in dem Strome ziehen,
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Zu ihren Tafeln, zu den langen Festen.

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Wo in den Schalen dunkle Flammen schwellen,
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Wo golden klingen vieler Leiern Saiten.
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Durch hohe Fenster schaun sie auf die Wellen,
20
Auf grüne Wiesen in den blassen Weiten.

21
Er scheint zu lächeln aus des Schädels Leere,
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Er schläft, ein Gott, den süßer Traum bezwang.
23
Die Würmer blähen sich in seiner Schwäre,
24
Sie kriechen satt die rote Stirn entlang.

25
Ein Falter kommt die Schlucht herab. Er ruht
26
Auf Blumen. Und er senkt sich müd
27
Der Wunde zu, dem großen Kelch von Blut,
28
Der wie die Sammetrose dunkel glüht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Heym
(18871912)

* 30.10.1887 in Jelenia Góra, † 16.01.1912 in Gatow

männlich, geb. Heym

Unfalltod | Ertrinken

deutscher Schriftsteller, Vertreter des frühen Expressionismus

(Aus: Wikidata.org)

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