Vor-Ostern

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Rainer Maria Rilke: Vor-Ostern (1900)

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Morgen wird in diesen tiefgekerbten
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Gassen, die sich durch getürmtes Wohnen
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unten dunkel nach dem Hafen drängen,
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hell das Gold der Prozessionen rollen;
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statt der Fetzen werden die ererbten
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Bettbezüge, welche wehen wollen,
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von den immer höheren Balkonen
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(wie in Fließendem gespiegelt) hängen.

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Aber heute hämmert an den Klopfern
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jeden Augenblick ein voll Bepackter,
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und sie schleppen immer neue Käufe;
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dennoch stehen strotzend noch die Stände.
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An der Ecke zeigt ein aufgehackter
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Ochse seine frischen Innenwände,
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und in Fähnchen enden alle Läufe.
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Und ein Vorrat wie von tausend Opfern

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drängt auf Bänken, hängt sich rings um Pflöcke,
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zwängt sich, wölbt sich, wälzt sich aus dem Dämmer
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aller Türen, und vor dem Gegähne
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der Melonen strecken sich die Brote.
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Voller Gier und Handlung ist das Tote;
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doch viel stiller sind die jungen Hähne
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und die abgehängten Ziegenböcke
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und am allerleisesten die Lämmer,

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die die Knaben um die Schultern nehmen
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und die willig von den Schritten nicken;
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während in der Mauer der verglasten
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spanischen Madonna die Agraffe
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und das Silber in den Diademen
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von dem Lichter-Vorgefühl beglänzter
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schimmert. Aber drüber in dem Fenster
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zeigt sich blickverschwenderisch ein Affe
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und führt rasch in einer angemaßten
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Haltung Gesten aus, die sich nicht schicken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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