Der Stylit

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Rainer Maria Rilke: Der Stylit (1900)

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Völker schlugen über ihm zusammen,
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die er küren durfte und verdammen;
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und erratend, daß er sich verlor,
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klomm er aus dem Volksgeruch mit klammen
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Händen einen Säulenschaft empor,

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der noch immer stieg und nichts mehr hob,
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und begann, allein auf seiner Fläche,
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ganz von vorne seine eigne Schwäche
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zu vergleichen mit des Herren Lob;

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und da war kein Ende: er verglich;
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und der Andre wurde immer größer.
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Und die Hirten, Ackerbauer, Flößer
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sahn ihn klein und außer sich

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immer mit dem ganzen Himmel reden,
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eingeregnet manchmal, manchmal licht;
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und sein Heulen stürzte sich auf jeden,
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so als heulte er ihm ins Gesicht.
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Doch er sah seit Jahren nicht,

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wie der Menge Drängen und Verlauf
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unten unaufhörlich sich ergänzte,
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und das Blanke an den Fürsten glänzte
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lange nicht so hoch hinauf.

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Aber wenn er oben, fast verdammt
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und von ihrem Widerstand zerschunden,
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einsam mit verzweifeltem Geschreie
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schüttelte die täglichen Dämonen:
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fielen langsam auf die erste Reihe
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schwer und ungeschickt aus seinen Wunden
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große Würmer in die offnen Kronen
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und vermehrten sich im Samt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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