Esther

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Rainer Maria Rilke: Esther (1900)

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Die Dienerinnen kämmten sieben Tage
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die Asche ihres Grams und ihrer Plage
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Neige und Niederschlag aus ihrem Haar,
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und trugen es und sonnten es im Freien
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und speisten es mit reinen Spezereien
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noch diesen Tag und den: dann aber war

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die Zeit gekommen, da sie, ungeboten,
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zu keiner Frist, wie eine von den Toten
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den drohend offenen Palast betrat,
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um gleich, gelegt auf ihre Kammerfrauen,
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am Ende ihres Weges
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an dem man stirbt, wenn man ihm naht.

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Er glänzte so, daß sie die Kronrubine
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aufflammen fühlte, die sie an sich trug;
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sie füllte sich ganz rasch mit seiner Miene
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wie ein Gefäß und war schon voll genug

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und floß schon über von des Königs Macht,
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bevor sie noch den dritten Saal durchschritt,
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der sie mit seiner Wände Malachit
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grün überlief. Sie hatte nicht gedacht,

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so langen Gang zu tun mit allen Steinen,
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die schwerer wurden von des Königs Scheinen
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und kalt von ihrer Angst. Sie ging und ging –

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Und als sie endlich, fast von nahe, ihn,
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aufruhend auf dem Thron von Turmalin,
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sich türmen sah, so wirklich wie ein Ding:

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empfing die rechte von den Dienerinnen
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die Schwindende und hielt sie zu dem Sitze.
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Er rührte sie mit seines Szepters Spitze:
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... und sie begriff es ohne Sinne, innen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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