Von den Fontänen

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Rainer Maria Rilke: Von den Fontänen (1900)

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Auf einmal weiß ich viel von den Fontänen,
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den unbegreiflichen Bäumen aus Glas.
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Ich könnte reden wie von eignen Tränen,
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die ich, ergriffen von sehr großen Träumen,
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einmal vergeudete und dann vergaß.

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Vergaß ich denn, daß Himmel Hände reichen
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zu vielen Dingen und in das Gedränge?
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Sah ich nicht immer Großheit ohnegleichen
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im Aufstieg alter Parke, vor den weichen
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erwartungsvollen Abenden, – in bleichen
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aus fremden Mädchen steigenden Gesängen,
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die überfließen aus der Melodie
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und wirklich werden und als müßten sie
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sich spiegeln in den aufgetanen Teichen?

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Ich muß mich nur erinnern an das Alles,
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was an Fontänen und an mir geschah, –
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dann fühl ich auch die Last des Niederfalles,
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in welcher ich die Wasser wiedersah:
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Und weiß von Zweigen, die sich abwärts wandten,
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von Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten,
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von Teichen, welche nur die Uferkanten
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schwachsinnig und verschoben wiederholten,
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von Abendhimmeln, welche von verkohlten
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westlichen Wäldern ganz entfremdet traten
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sich anders wölbten, dunkelten und taten
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als wär das nicht die Welt, die sie gemeint...

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Vergaß ich denn, daß Stern bei Stern versteint
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und sich verschließt gegen die Nachbargloben?
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Daß sich die Welten nur noch wie verweint
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im Raum erkennen? – Vielleicht sind wir
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in Himmel andrer Wesen eingewoben,
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die zu uns aufschaun abends. Vielleicht loben
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uns ihre Dichter. Vielleicht beten viele
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zu uns empor. Vielleicht sind wir die Ziele
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von fremden Flüchen, die uns nie erreichen,
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Nachbaren eines Gottes, den sie meinen
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in unsrer Höhe, wenn sie einsam weinen,
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an den sie glauben und den sie verlieren,
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und dessen Bildnis, wie ein Schein aus ihren
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suchenden Lampen, flüchtig und verweht,
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über unsere zerstreuten Gesichter geht....

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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