Das Lied des Idioten

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Rainer Maria Rilke: Das Lied des Idioten (1900)

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Sie hindern mich nicht. Sie lassen mich gehn.
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Sie sagen es könne nichts geschehn.
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Wie gut.
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Es kann nichts geschehn. Alles kommt und kreist
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immerfort um den heiligen Geist,
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um den gewissen Geist (du weißt) –,
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wie gut.

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Nein man muß wirklich nicht meinen es sei
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irgend eine Gefahr dabei.
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Da ist freilich das Blut.
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Das Blut ist das Schwerste. Das Blut ist schwer.
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Manchmal glaub ich, ich kann nicht mehr –.
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(wie gut.)

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Ah was ist das für ein schöner Ball;
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rot und rund wie ein Überall.
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Gut, daß ihr ihn erschuft.
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Ob der wohl kommt wenn man ruft?

18
Wie sich das alles seltsam benimmt,
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ineinandertreibt, auseinanderschwimmt:
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freundlich, ein wenig unbestimmt.
21
Wie gut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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