Noch immer schauen in den Silberplatten

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Rainer Maria Rilke: Noch immer schauen in den Silberplatten Titel entspricht 1. Vers(1900)

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Noch immer schauen in den Silberplatten
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wie tiefe Frauenaugen die Saphire,
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Goldranken schlingen sich wie schlanke Tiere,
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die sich im Glanze ihrer Brünste gatten,
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und sanfte Perlen warten in dem Schatten
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wilder Gebilde, daß ein Schimmer ihre
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stillen Gesichter finde und verliere.
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Und das ist Mantel, Strahlenkranz und Land,
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und ein Bewegen geht von Rand zu Rand,
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wie Korn im Wind und wie ein Fluß im Tale,
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so glänzt es wechselnd durch die Rahmenwand.

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In ihrer Sonne dunkeln drei Ovale:
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das große giebt dem Mutterantlitz Raum,
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und rechts und links hebt eine mandelschmale
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Jungfrauenhand sich aus dem Silbersaum.
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Die beiden Hände, seltsam still und braun,
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verkünden, daß im köstlichen Ikone
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die Königliche wie im Kloster wohne,
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die überfließen wird von jenem Sohne,
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von jenem Tropfen, drinnen wolkenohne
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die niegehofften Himmel blaun.

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Die Hände zeugen noch dafür;
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aber das Antlitz ist wie eine Tür
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in warme Dämmerungen aufgegangen,
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in die das Lächeln von den Gnadenwangen
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mit seinem Lichte irrend, sich verlor.
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Da neigt sich tief der Zar davor und spricht:

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Fühltest Du nicht, wie sehr wir in Dich drangen
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mit allem Fühlen, Fürchten und Verlangen:
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wir warten auf Dein liebes Angesicht,
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das uns vergangen ist; wohin vergangen?:

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Den großen Heiligen vergeht es nicht.

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Er bebte tief in seinem steifen Kleid,
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das strahlend stand. Er wußte nicht, wie weit
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er schon von allem war, und ihrem Segnen
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wie selig nah in seiner Einsamkeit.

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Noch sinnt und sinnt der blasse Gossudar.
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Und sein Gesicht, das unterm kranken Haar
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schon lange tief und wie im Fortgehn war,
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verging, wie jenes in dem Goldovale,
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in seinem großen goldenen Talar.

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(um ihrem Angesichte zu begegnen.)

43
Zwei Goldgewänder schimmerten im Saale

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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