5.

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Rainer Maria Rilke: 5. (1900)

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Der blasse Zar wird nicht am Schwerte sterben,
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die fremde Sehnsucht macht ihn sakrosankt;
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er wird die feierlichen Reiche erben,
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an denen seine sanfte Seele krankt.

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Schon jetzt, hintretend an ein Kremlfenster,
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sieht er ein Moskau, weißer, unbegrenzter,
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in seine endlich fertige Nacht gewebt;
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so wie es ist im ersten Frühlingswirken,
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wenn in den Gassen der Geruch aus Birken
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von lauter Morgenglocken bebt.

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Die großen Glocken, die so herrisch lauten,
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sind seine Väter, jene ersten Zaren,
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die sich noch vor den Tagen der Tataren
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aus Sagen, Abenteuern und Gefahren,
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aus Zorn und Demut zögernd auferbauten.

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Und er begreift auf einmal, wer sie waren,
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und daß sie oft um ihres Dunkels Sinn
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in
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und ihn, den Leisesten von den Erlauchten,
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in ihren Taten groß und fromm verbrauchten
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schon lang vor seinem Anbeginn.

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Und eine Dankbarkeit kommt über ihn,
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daß sie ihn so verschwenderisch vergeben
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an aller Dinge Durst und Drang.
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Er war die Kraft zu ihrem Überschwang,
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der goldne Grund, vor dem ihr breites Leben
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geheimnisvoll zu dunkeln schien.

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In allen ihren Werken schaut er
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wie eingelegtes Silber in Zieraten,
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und es giebt keine Tat in ihren Taten,
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die nicht auch
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in denen alles Handelns Rot verblich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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