3.

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Rainer Maria Rilke: 3. (1900)

1
Seine Diener füttern mit mehr und mehr
2
ein Rudel von jenen wilden Gerüchten,
3
die auch noch Er sind, alles noch Er.

4
Seine Günstlinge flüchten vor ihm her.

5
Und seine Frauen flüstern und stiften
6
Bünde. Und er hört sie ganz innen
7
in ihren Gemächern mit Dienerinnen,
8
die sich scheu umsehn, sprechen von Giften.

9
Alle Wände sind hohl von Schränken und Fächern,
10
Mörder ducken unter den Dächern
11
und spielen Mönche mit viel Geschick.

12
Und er hat nichts als einen Blick
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dann und wann; als den leisen
14
Schritt auf den Treppen die kreisen;
15
nichts als das Eisen an seinem Stock.

16
Nichts als den dürftigen Büßerrock
17
(durch den die Kälte aus den Fliesen
18
an ihm hinaufkriecht wie mit Krallen)
19
nichts, was er zu rufen wagt,
20
nichts als die Angst vor allen diesen,
21
nichts als die tägliche Angst vor Allen,
22
die ihn jagt durch diese gejagten
23
Gesichter, an dunklen ungefragten
24
vielleicht schuldigen Händen entlang.

25
Manchmal packt er Einen im Gang
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grade noch an des Mantels Falten,
27
und er zerrt ihn zornig her;
28
aber im Fenster weiß er nicht mehr:
29
wer ist Haltender? Wer ist gehalten?
30
Wer bin ich und wer ist der?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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