sind wie Berge im Abend. Blenden

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Rainer Maria Rilke: sind wie Berge im Abend. Blenden Titel entspricht 1. Vers(1900)

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sind wie Berge im Abend. Blenden
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jeden, zu dem sie sich wenden.
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Die Gürtel um ihre Lenden
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und die lastenden Mantelenden
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sind Länder und Leben wert.
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Mit den reichgekleideten Händen

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Ein junger König aus Norden war
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in der Ukraine geschlagen.
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Der haßte Frühling und Frauenhaar
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und die Harfen und was sie sagen.
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Der ritt auf einem grauen Pferd,
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sein Auge schaute grau
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und hatte niemals Glanz begehrt
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zu Füßen einer Frau.
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Keine war seinem Blicke blond,
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keine hat küssen ihn gekonnt;
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und wenn er zornig war,
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so riß er einen Perlenmond
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aus wunderschönem Haar.
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Und wenn ihn Trauer überkam,
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so machte er ein Mädchen zahm
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und forschte, wessen Ring sie nahm
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und wem sie ihren bot –
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und: hetzte ihr den Bräutigam
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mit hundert Hunden tot.

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Und er verließ sein graues Land,
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das ohne Stimme war,
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und ritt in einen Widerstand
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und kämpfte um Gefahr,
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bis ihn das Wunder überwand:
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wie träumend ging ihm seine Hand
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von Eisenband zu Eisenband
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und war kein Schwert darin;
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er war zum Schauen aufgewacht:
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es schmeichelte die schöne Schlacht
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um seinen Eigensinn.
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Er saß zu Pferde: ihm entging
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keine Gebärde rings.
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Auf Silber sprach jetzt Ring zu Ring,
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und Stimme war in jedem Ding,
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und wie in vielen Glocken hing
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die Seele jedes Dings.
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Und auch der Wind war anders groß,
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der in die Fahnen sprang,
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schlank wie ein Panther, atemlos
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und taumelnd vom Trompetenstoß,
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der lachend mit ihm rang.
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Und manchmal griff der Wind hinab:
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da ging ein Blutender, – ein Knab,
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welcher die Trommel schlug;
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er trug sie immer auf und ab
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und trug sie wie sein Herz ins Grab
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vor seinem toten Zug.
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Da wurde mancher Berg geballt,
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als wär die Erde noch nicht alt
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und baute sich erst auf;
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bald stand das Eisen wie Basalt,
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bald schwankte wie ein Abendwald
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mit breiter steigender Gestalt
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der großbewegte Hauf.
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Es dampfte dumpf die Dunkelheit,
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was dunkelte war nicht die Zeit, –
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und alles wurde grau,
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aber schon fiel ein neues Scheit,
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und wieder ward die Flamme breit
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und festlich angefacht.
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Sie griffen an: in fremder Tracht
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ein Schwarm phantastischer Provinzen;
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wie alles Eisen plötzlich lacht:
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von einem silberlichten Prinzen
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erschimmerte die Abendschlacht.
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Die Fahnen flatterten wie Freuden,
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und Alle hatten königlich
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in ihren Gesten ein Vergeuden, –
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an fernen flammenden Gebäuden
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entzündeten die Sterne sich...

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Und Nacht war. Und die Schlacht trat sachte
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zurück wie ein sehr müdes Meer,
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das viele fremde Tote brachte,
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und alle Toten waren schwer.
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Vorsichtig ging das graue Pferd
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(von großen Fäusten abgewehrt)
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durch Männer, welche fremd verstarben,
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und trat auf flaches, schwarzes Gras.
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Der auf dem grauen Pferde saß,
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sah unten auf den feuchten Farben
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viel Silber wie zerschelltes Glas.
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Sah Eisen welken, Helme trinken
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und Schwerter stehn in Panzernaht,
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sterbende Hände sah er winken
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mit einem Fetzen von Brokat...
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Und sah es nicht.

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Und ritt dem Lärme
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der Feldschlacht nach, als ob er schwärme,
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mit seinen Wangen voller Wärme
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und mit den Augen von Verliebten...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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