Einst als am Saum der Wüsten sich

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Rainer Maria Rilke: Einst als am Saum der Wüsten sich Titel entspricht 1. Vers(1900)

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Einst als am Saum der Wüsten sich
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auftat die Hand des Herrn
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wie eine Frucht, die sommerlich
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verkündet ihren Kern,
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da war ein Wunder: Fern
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erkannten und begrüßten sich
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drei Könige und ein Stern.

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Drei Könige von Unterwegs
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und der Stern Überall,
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die zogen alle (überlegs!)
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so rechts ein Rex und links ein Rex
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zu einem stillen Stall.

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Was brachten die nicht alles mit
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zum Stall von Bethlehem!
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Weithin erklirrte jeder Schritt,
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und der auf einem Rappen ritt,
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saß samten und bequem.
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Und der zu seiner Rechten ging,
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der war ein goldner Mann,
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und der zu seiner Linken fing
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mit Schwung und Schwing
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und Klang und Kling
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aus einem runden Silberding,
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das wiegend und in Ringen hing,
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ganz blau zu rauchen an.
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Da lachte der Stern Überall
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so seltsam über sie,
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und lief voraus und stand am Stall
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und sagte zu Marie:

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Da bring ich eine Wanderschaft
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aus vieler Fremde her.
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Drei Könige mit
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von Gold und Topas schwer
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und dunkel, tumb und heidenhaft, –
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erschrick mir nicht zu sehr.
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Sie haben alle drei zuhaus
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zwölf Töchter, keinen Sohn,
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so bitten sie sich deinen aus
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als Sonne ihres Himmelblaus
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und Trost für ihren Thron.
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Doch mußt du nicht gleich glauben: bloß
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ein Funkelfürst und Heidenscheich
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sei deines Sohnes Los.
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Bedenk, der Weg ist groß.
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Sie wandern lange, Hirten gleich,
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inzwischen fällt ihr reifes Reich
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weiß Gott wem in den Schooß.
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Und während hier, wie Westwind warm,
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der Ochs ihr Ohr umschnaubt,
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sind sie vielleicht schon alle arm
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und so wie ohne Haupt.
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Drum mach mit deinem Lächeln licht
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die Wirrnis, die sie sind,
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und wende du dein Angesicht
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nach Aufgang und dein Kind;
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dort liegt in blauen Linien,
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was jeder dir verließ:
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Smaragda und Rubinien
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und die Tale von Türkis.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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