Verkündigung

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Rainer Maria Rilke: Verkündigung (1900)

1
Du bist nicht näher an Gott als wir;
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wir sind ihm alle weit.
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Aber wunderbar sind dir
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die Hände benedeit.
5
So reifen sie bei keiner Frau,
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so schimmernd aus dem Saum:
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ich bin der Tag, ich bin der Tau,
8
du aber bist der Baum.

9
Ich bin jetzt matt, mein Weg war weit,
10
vergieb mir, ich vergaß,
11
was Er, der groß in Goldgeschmeid
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wie in der Sonne saß,
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dir künden ließ, du Sinnende,
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(verwirrt hat mich der Raum).
15
Sieh: ich bin das Beginnende,
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du aber bist der Baum.

17
Ich spannte meine Schwingen aus
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und wurde seltsam weit;
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jetzt überfließt dein kleines Haus
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von meinem großen Kleid.
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Und dennoch bist du so allein
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wie nie und schaust mich kaum;
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das macht: ich bin ein Hauch im Hain,
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du aber bist der Baum.

25
Die Engel alle bangen so,
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lassen einander los:
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noch nie war das Verlangen so,
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so ungewiß und groß.
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Vielleicht, daß Etwas bald geschieht,
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das du im Traum begreifst.
31
Gegrüßt sei, meine Seele sieht:
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du bist bereit und reifst.
33
Du bist ein großes, hohes Tor,
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und aufgehn wirst du bald.
35
Du, meines Liedes liebstes Ohr,
36
jetzt fühle ich: mein Wort verlor
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sich in dir wie im Wald.

38
So kam ich und vollendete
39
dir tausendeinen Traum.
40
Gott sah mich an; er blendete...

41
Du aber bist der Baum.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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