Am Rande der Nacht

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Rainer Maria Rilke: Am Rande der Nacht (1900)

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Meine Stube und diese Weite,
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wach über nachtendem Land, –
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ist Eines. Ich bin eine Saite,
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über rauschende breite
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Resonanzen gespannt.

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Die Dinge sind Geigenleiber,
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von murrendem Dunkel voll;
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drin träumt das Weinen der Weiber,
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drin rührt sich im Schlafe der Groll
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ganzer Geschlechter.....
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Ich soll
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silbern erzittern: dann wird
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Alles unter mir leben,
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und was in den Dingen irrt,
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wird nach dem Lichte streben,
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das von meinem tanzenden Tone,
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um welchen der Himmel wellt,
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durch schmale, schmachtende Spalten
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in die alten
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Abgründe ohne
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Ende fällt...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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