Kindheit

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Rainer Maria Rilke: Kindheit (1900)

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Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit
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mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen.
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O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen...
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Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen
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und auf den Plätzen die Fontänen springen
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und in den Gärten wird die Welt so weit –.
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Und durch das alles gehn im kleinen Kleid,
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ganz anders als die andern gehn und gingen –:
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O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen,
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o Einsamkeit.

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Und in das alles fern hinauszuschauen:
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Männer und Frauen; Männer, Männer, Frauen
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und Kinder, welche anders sind und bunt;
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und da ein Haus und dann und wann ein Hund
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und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen –:
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O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen,
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o Tiefe ohne Grund.

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Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen
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in einem Garten, welcher sanft verblaßt,
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und manchmal die Erwachsenen zu streifen,
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blind und verwildert in des Haschens Hast,
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aber am Abend still, mit kleinen steifen
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Schritten nachhaus zu gehn, fest angefaßt –:
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O immer mehr entweichendes Begreifen,
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o Angst, o Last.

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Und stundenlang am großen grauen Teiche
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mit einem kleinen Segelschiff zu knien;
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es zu vergessen, weil noch andre, gleiche
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und schönere Segel durch die Ringe ziehn,
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und denken müssen an das kleine bleiche
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Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien –:
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O Kindheit, o entgleitende Vergleiche.
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Wohin? Wohin?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Rainer Maria Rilke
(18751926)

* 04.12.1875 in Prag, † 29.12.1926 in Montreux

männlich, geb. Rilke

natürliche Todesursache | Leukämie

österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)

(Aus: Wikidata.org)

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