Wilhelm Busch

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Thoma: Wilhelm Busch (1894)

1
Erst dreimal Hoch und dann ein Tusch
2
Dem hochverehrten Meister Busch!
3
Da sitzt du nun seit manchem Tage
4
Beim Bienenkorb am Rosenhage,
5
Die laute Welt ist fremd für dich;
6
Du flötest nur mehr innerlich
7
Und hältst dich fern von dem Bestreben,
8
Uns andern auch was abzugeben.
9
Wie ist verschieden doch die Dichtung
10
In dieser und in jeder Richtung!
11
Der eine wird erst spät Genie,
12
Der andre wird es viel zu früh,
13
Und man bemerkt nur äußerst selten,
14
Daß hier Naturgesetze gelten.
15
Oft kommt die Frucht schon vor der Blüte
16
Und ist dann von besondrer Güte.
17
Wir sehen auch Verschiedenheit
18
In Anbelang der Fruchtbarkeit.
19
Bei diesem geht es äußerst spärlich,
20
Der andere entbindet jährlich
21
Und macht dem guten Publiko
22
In jedem Herbst das Leben froh.
23
Jetzt aber taucht die Frage auf:
24
Wann endet wohl des Dichters Lauf?
25
Gewöhnlich mit des Lebens Tagen;
26
Dies läßt sich hier authentisch sagen,
27
Weil keiner gern die Quelle stopft,
28
Auch wenn sie noch so ärmlich tropft;
29
Und mancher Greis saugt noch am Busen
30
Der armen, vielgeplagten Musen
31
Und glaubt, auch wenn er lange soff,
32
Es fehle nie an Nahrungsstoff.
33
Fast jeder nimmt ins kühle Grab
34
Ein angefangnes Werk hinab.
35
Dann schreibt der Kritiker: »Wie schade!
36
Dies war sein bestes ja gerade!
37
Es ist wahrhaftig ungeschickt,
38
Daß hier die Parze abgezwickt.«
39
Was aber hat man denn posthum
40
Auch von dem schönsten Dichterruhm?
41
Du, Meister Busch, hast dies begriffen,
42
Du hast vergnügt so lang gepfiffen,
43
Als es dich selber noch erfreute.
44
Dann sagtest du: »Ihr lieben Leute,
45
Ich dächte nun, es sei genug,
46
Wer früher aufhört, handelt klug.
47
Man wird so mit vergnügtem Sinne
48
Der Epiloge Schönheit inne
49
Und liest noch selbst den ganzen Mist,
50
Indessen man am Leben ist.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Thoma
(18671921)

* 21.01.1867 in Oberammergau, † 26.08.1921 in Tegernsee

männlich, geb. Thoma

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.