Gräßliches Unglück, welches eine deutsche Familie betroffen hat

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Ludwig Thoma: Gräßliches Unglück, welches eine deutsche Familie betroffen hat (1894)

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Im Wirtshaus sitzt der Vater,
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Die Mutter im Theater,
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Sie schwelgt im Kunstgenuß.
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Die Tochter, unschuldsreine,
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Liest still beim Lampenscheine
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Den Simplicissimus.

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Wie alle höh'ren Töchter
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Hat sie nicht der Geschlechter
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Verschiedenheit gekennt.
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Doch als sie
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Ist alles futsch gewesen,
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Was man moralisch nennt.

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Sie ließ den Storchenglauben
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Wohl über Nacht sich rauben,
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Und sonst noch mancherlei.
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Sie las vergnügt die Witze,
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Verstand die frechste Spitze,
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Und wußte, was es sei.

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Als dies die Mutter ahnte
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Und ihr das Schlimmste schwante,
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Sprach sie nicht einen Ton.
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Sie schloß in ihrer Kammer
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Sich ein, mit ihrem Jammer
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Und einem Bariton.

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Noch tiefer ist gesunken
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Der Vater. Schwer betrunken
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Holt er sich bald die Gicht.
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Wie war er gut katholisch!
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Jetzt ist er alkoholisch,
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Bis daß sein Bierherz bricht.

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Er geht nicht mehr von hinnen,
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Poussiert die Kellnerinnen
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Vor Gram und Überdruß.
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Und wer hat das verschuldet?
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Der, den man leider duldet,
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Der Simplicissimus!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Thoma
(18671921)

* 21.01.1867 in Oberammergau, † 26.08.1921 in Tegernsee

männlich, geb. Thoma

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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