Spruchweisheit

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Ludwig Thoma: Spruchweisheit (1894)

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Zu Zeiten, da man seine Weisheit nicht
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Aus Leitartikeln schöpfte, wo die Alten,
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Weil sie das wechselvolle Leben kannten,
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Für sehr viel klüger als die Jungen galten,

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Zu jenen Zeiten hat sich unser Volk
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An guten Regeln einen Schatz gegründet,
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Hat an der Väter Klugheit sich gehalten
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Und nicht an schönen Reden sich entzündet.

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Das war wohl gut so, und ich möchte euch,
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Ihr Herrn vom grünen Tisch, ihr Diplomaten,
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Von Herzen bitten, bringt sie ab und zu
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Zum allerhöchsten Ohr der Potentaten.

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In allem halte Maß. Das Wort
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Ist wirklich wert, daß man es oft verwende,
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Den Kopf behalte kühl und warm den Fuß,
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Denn blinder Eifer führt zu schlechtem Ende.

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Dann heißt es weiter: Schweigen ist wie Gold,
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Die Red' ist silbern, manchmal auch von Bleche,
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Es ist nicht nötig und es ist nicht gut,
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Daß vor dem Handeln man geschwollen spreche.

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Gelingt dir etwas oder scheint es so,
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Dann mußt du nicht in lauter Freude toben,
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Denn nichts Gewisses weiß man nicht, und auch
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Soll man den Tag nicht vor dem Abend loben.

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Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht,
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Was dich nicht selber brennt, sollst du nicht blasen,
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Man muß nicht überall dabei sein, und
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In fremde Töpfe steckt nicht eure Nasen.

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Ich wüßte noch so manches kluge Wort,
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Doch hab' ich eine Weisheit nicht vergessen,
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Die auch die Alten manchmal schon verspürt:
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Mit großen Herrn ist nicht gut Kirschen essen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Thoma
(18671921)

* 21.01.1867 in Oberammergau, † 26.08.1921 in Tegernsee

männlich, geb. Thoma

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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