Prinzenexamen

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Ludwig Thoma: Prinzenexamen (1894)

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Auch Prinzen haben die Weisheit vonnöten,
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Darum schickt man sie auf die Universitäten,
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Damit hierorts ihr Verstand gedeiht.
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So geschah es einem vor einiger Zeit.

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Aber nach Ablauf von nur zwei Jahren,
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Von denen er das meiste auf der Eisenbahn gefahren,
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War des Prinzen Hoheit so klug,
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Daß man fand, es sei nunmehr genug.

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Um jedoch den Schein zu vermeiden,
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Als sei es anders bei den Königlichen Hoheiten,
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Wie es bei den übrigen Studiosis sei,
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Ließ er sich zu einem Examen herbei.

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Die Professores, welches dieses sollten wagen,
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Kamen herbei mit großem Zittern und Zagen,
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Sie scharrten demütig mit dem Fuß
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Und entboten dem Prinzen ihren Gruß.

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Der Herr Rektor machte den Anfang
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Und gab seiner Stimme einen sanften Klang,
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Indem er fragte mit ergebenem Ton:
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»hoheit, was ist eine Konstitution?«

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Hier antwortete des Prinzen erlauchte
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Person, wozu er längere Zeit gebrauchte:
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»konstitution ist, wenn das Volk stets tut,
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Was uns höchstselbst zu belieben geruht.«

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Über diese Antwort des hohen Kandidaten
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Konnten sich die Professores der Freude nicht entraten,
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Und es herrschte große Verwundernis
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Über den filium principis.

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Nun begann ein Professor zu fragen:
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»belieben Hoheit mir geneigtest zu sagen,
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Welche Befugnisse man kennt
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Als eigentümlich dem Parlament?«

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Hier antwortete der Prinz: »Herr Professer,
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Je weniger es solche gibt, desto besser,
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Weil der Untertan dadurch beirrt
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Im Betreffe seines Gehorsames wird.«

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Auch dieses Mal konnten nicht unterdrücken
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Die Herren Professores ihr helles Entzücken,
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Und sie haben sodann unverweilt
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Dem Prinzen das Reifezeugnis erteilt.

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Hieraus ist es als bewiesen erschienen:
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Wenn einer als Doktor will sein Brot verdienen,
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Braucht er
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Für einen König reichen schon

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Thoma
(18671921)

* 21.01.1867 in Oberammergau, † 26.08.1921 in Tegernsee

männlich, geb. Thoma

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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