Vergänglichkeit

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Frank Wedekind: Vergänglichkeit (1891)

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Streck deine Beine, mein hübscher Genoß;
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Deine schwarzen Strümpfe aus Fil d'Ecosse
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Reichen dir weit bis über die Kniee,
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Wenn ich sie dir nicht noch höher ziehe. –

5
Sie sind das Verfänglichste wohl an dir,
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Deine schwarzen Strümpfe; ich sterbe dafür.
7
Hell schimmert die Haut durch die weiten Maschen,
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Man möchte von außen schon daran naschen.

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Dabei legst du deine Füße so friedlich
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Übereinander, die blanken Lackschuhe appetitlich
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Gestreckt – die Seligkeit, sie dir zu binden,
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Kann im Himmel nicht ihresgleichen finden.

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Dein schwarzer Lockenkopf, deine blassen Wangen,
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Dein splitternackter Mund, deine bangen
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Tiefschwarzen Augen sind eine Pracht,
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Doch haben nicht sie mich verrückt gemacht.

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Deine Unwiderstehlichkeit liegt in den Beinen.
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Seh ich dich kommen, so möcht ich weinen.
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Du hebst die Knie in einem Takt,
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Der würgend mich an der Kehle packt.

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Ich will dir zum ewigen Angedenken
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Ein Paar Strumpfbänder in zartem Lila schenken
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Mit goldenem Wappen, denn du bist in der Tat
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Ein Mädchen und ein junger Aristokrat.

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Ein Knabe, der in seiner Anmut nicht leidet,
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Wenn er sich zuweilen als Mädchen verkleidet;
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Aber deine Mutter sagt mir, du seist
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Durchdrungen von ritterlichem Geist.

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Du bestehest mit Glanz die schwierigsten Examen
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Und schwärmest auch schon für die allerreizendsten Damen.
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Niemand glaubt mir in dieser Welt,
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Wie mir das an dir, meinem Schützling gefällt.

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Noch bist du Cherub. Wenige Wochen,
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Dann ist wohl die Knospe schon aufgebrochen;
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Dann blickst du mit grimmem Schauder auf mich,
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Der dir so zärtlich die Locken strich.

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Wie schade, daß alles Schöne vergeht,
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Auch deine Hoheit. Die Pubertät
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Macht dich den übrigen Flegeln ähnlich.
40
Der Duft ist hin und du wirst gewöhnlich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Frank Wedekind
(18641918)

* 24.07.1864 in Hannover, † 09.03.1918 in München

männlich, geb. Wedekind

deutscher Schriftsteller und Schauspieler

(Aus: Wikidata.org)

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