Wo hoch empor die sieben Kuppen ragen –

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Louise Otto: Wo hoch empor die sieben Kuppen ragen – Titel entspricht 1. Vers(1857)

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Wo hoch empor die sieben Kuppen ragen –
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Die das Gebirg auf festem Scheitel trug,
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Gleich Kronen, die sie auf den Häuptern tragen,
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Und die der Sturm der Zeit herunterschlug –
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Ruinen stehn von Schlössern und Kapellen,
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Die sich bespiegeln in des Rheines Wellen,
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Dem Schiffer kündend von vergangner Zeit,
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Entschwundner und versunkner Herrlichkeit:

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Da hebt der Drachenfels sich majestätisch,
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Der vorderste, dicht an des Rheines Flut,
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Es ist als spräch' er warnend und prophetisch
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Zu einer Welt die scheinbar friedlich ruht:
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Auch Du hast noch zu kämpfen mit den Drachen,
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Die an der Zukunft Paradies bewachen
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Den Eingang in der Liebe schönes Reich,
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Wo

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Von einem Drachen kündet hier die Sage,
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Der Menschenopfer heischte lange Zeit –
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Davon kein Fluch, kein Schwert und keine Klage,
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Die Stämme, die hier wohnten, je befreit,
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Verbrecher, die an ihnen sich vergangen,
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Und Feinde, die sie in der Schlacht gefangen
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Die stieß man zu des Drachen Höhle fort,
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Er würgte sie im schauerlichen Mord. –

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Einst aus dem Krieg mit einem fremden Stamme
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Fiel eine Jungfrau in der Heiden Hand,
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Von deren Schöne eine Liebesflamme
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In zweier Helden Brust zugleich entbrannt.
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Zwei Häuptlinge sich um die Beute stritten –
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Da lautete der Richterspruch des dritten:
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Daß fürder nicht bestehe solcher Streit,
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Die Jungfrau sei dem Drachentod geweiht,

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Und schön geschmückt, im weißen Opferkleide
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Bräutliche Blumen in dem goldnen Haar,
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Am Hals ein reiches goldenes Geschmeide,
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Das schon daheim dort prangte immerdar,
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Und das man ihr zum Opfertod gelassen –
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So schritt sie hin – es malte kein Erblassen.
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Kein bleicher Schrecken ihre Wangen weiß,
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Gefaßt und mutig stand sie in dem Kreis.

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Und da sie nahe zu der Höhle kamen,
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Und schon der Drache ihr entgegen sprüht',
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Da sprach sie fromm und leis ein heilig Amen
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Und sang – gleich wie im höhern Chor – ein Lied.
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Aus ihrer Brust zog sie am Goldgeschmeide
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Hervor ein Kreuz – ihr höchstes Gut im Leide!
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Und hielt es – als geweihten Talisman
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Dem Drachen hin – er starrt es wütend an –

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Er starrt es an – und plötzlich wie vernichtet
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Erbebt in sich sein grimmer Panzerleib,
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Den Rachen schließt er, kehrt sich um und flüchtet,
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Und flüchtet vor dem unbewehrten Weib,
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Und stürzt sich jähling in des Rheines Wellen
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Man hört die Schuppen das Gestein zerschellen –
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Vernichtet ist mit eins die Schlangenbrut –
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Der Himmel flammt in roter Opferglut.

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Da scheint verklärt zum goldnen Strahlenkranze
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Die Blumenkrone in der Jungfrau Haar,
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Ihr Antlitz leuchtet auf im Himmelsglanze
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Da sie bezwang die drohende Gefahr.
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Und alle Heiden die das Wunder schauen,
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Ergreift alsbald ein niegekanntes Grauen,
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Anbetend sinken vor dem Kreuz sie hin
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Und vor der Jungfrau gottentflammtem Sinn.

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Durch sie zum Glauben reiner Menschenliebe
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Durch sie zum milden Christengott bekehrt! –
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O daß die Sage doch lebendig bliebe
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In unsrer Zeit, die noch vom Wahn bethört!
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O läg noch heut in einer Jungfrau Händen
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Die Macht die Menschenopfer zu beenden;
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Wie schön sich einen solchem Tod zu weihn –
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O Gott der Lieb' dürft ich das Opfer sein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Louise Otto
(18191895)

* 26.03.1819 in Meißen, † 13.03.1895 in Leipzig

weiblich, geb. Otto

sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung

(Aus: Wikidata.org)

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