Venus Consolatrix

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Richard Fedor Leopold Dehmel: Venus Consolatrix (1891)

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Da kam Stern Lucifer; und meine Nacht
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erblaßte scheu vor seiner milden Pracht.
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Er schien auf meine dunkle Zimmerwand,
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und wie aus unerschöpflicher Phiole
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durchflossen Silberadern die Console,
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die schwarz, seit lange leer, im Winkel stand.

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Auf einmal fing die Säule an zu leben,
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und eine Frau erhob sich aus dem Glanz;
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die trug im schwarzen Haupthaar einen Kranz
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von hellen Rosen zwischen grünen Reben.
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Ihr Morgenkleid von weißem Sammet glänzte
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so sanft wie meine Heimatflur im Schnee,
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die Rüsche aber, die den Hals begrenzte,
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so blutrot wie die Blüte Aloë;
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und ihre Augen träumten braun ins Tiefe,
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als ob da Sehnsucht nach dem Südmeer schliefe.

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Sie breitete mir beide Arme zu,
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ich sah erstaunt an ihren Handgelenken
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die starken Pulse springen und sich senken,
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da nickte sie und sagte zu mir: Du –
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du bist mühselig und beladen, komm:
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wer viel geliebt, dem wird auch viel verziehen.
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Du brauchst das große Leben nicht zu fliehen,
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durch das dein kleines lebt. O komm, sei fromm!

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Da sprach sie wieder und trat her zu mir:
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Willst du mir nicht auch in die Augen sehn?!
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Und meine Blicke badeten in ihr.

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Und eine Sehnsucht: du mußt untergehn,
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ließ mich umarmt durch tiefe Meere schweben,
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mich selig tiefer, immer tiefer streben,
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ich glaube auf den Grund der Welt zu sehn –
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weh schüttelt mich ein nie erlebtes Leben,
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und ihren Kranz von Rosen und von Reben
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umklammernd, während wir verbeben,
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stamml'ich: o auf – auf – auferstehn! –

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. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Auf! In solcher Tiefe kann
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ruhig nur die Urkraft strudeln.
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Furchtsam fühl ich reifer Mann
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wieder Kindheit in mir sprudeln.

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Aber diese Furcht ist herrlich kühn,
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Mit Entzücken seh ich euch verblühn,
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bleiche Sterne! Sanft verdrängt die nächtlichen

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Einzellichter ein noch kaum Geleuchte,
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aber leuchtend wird es kühner:
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Wo mir nichts als Grauen deuchte,
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fängt ein Häuflein silbergrüner

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Morgenwölkchen an zu gaukeln,
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Hoffnungsinseln, goldgeränderte –
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an den weißen Ufern schaukeln
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Freiheitsgondeln, buntbebänderte –

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Wohl, sie werden bald zerfließen,
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aber ihre Farbenwellen
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wirbeln weiter und ergießen
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Trost in tausend Kerkerzellen.

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Dankbar staun'ich in das Lichtgetriebe:
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all der Glanz ist mir durch Dich entglommen,
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Dich, du eine, einende Liebe,
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der die Lüste alle frommen,

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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