Venus Adultera

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Richard Fedor Leopold Dehmel: Venus Adultera (1891)

1
Komm, Schatz; komm, Katz; laß das Wimmern!
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Nein, das darf dich nicht bekümmern,
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daß ich nicht »treu« bin; rück nur her!
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Komm, ich hab ein Dutzend Seelen;
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wer kann all die Kammern zählen,
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sechse stehn mir grade leer.

7
Sieh nicht auf den Ring an meinem Finger!
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Hoh, mein Kind, ich bin viel jünger
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als mein narbigtes Gesicht.
10
Weißt du, die Runzeln und die Hiebe
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tun erst die Würze zu Ehre und Liebe!
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Ja, das nannt ich als Student schon Pflicht:

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Viel geliebt! noch mehr getrunken!
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kuscht euch, Unken und Hallunken!
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heida, wie der Schläger pfiff!
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Soll das Leben dir was nützen,
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lerne brav dein Blut versprützen:
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nicht gezuckt! los! blick und triff! –

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Hast doch auch schon »Blut« verspritzt,
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oft – – hui, wie dein Auge blitzt:
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zürnst wohl gar dem frechen Buben?
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Was denn: Tränen?? o nicht doch! oh!
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Herzchen, so'was lernt man so
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in der Luft der Ehestuben!

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Komm: sei gut, Kind! gib mir die Hand!
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Hast ja Mut, Kind – und hast Verstand:
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nein, ich will dich nicht verführen.
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Aber gelt, du wärst gern Braut?
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Hier das Venushalsband deiner Haut
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läßt verhaltene Wünsche spüren.

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Sieh mich doch an, du: ich bin kein Dieb!
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habe das Halsband nur so lieb
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und deine dunkeln Augenringe.
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Sieh doch, mein Blick ist ein zündender Pfeil,
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sprühenden Fluges ein sausendes Seil:
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komm, durch Höllen und Himmel soll's uns schwingen!

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. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Ja – so wird aus Sehnsucht Sünde;
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Hölle, die den Himmel stürmt.
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Seele öffnet alle Schlünde,
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die der Geist rings mühsam übertürmte.

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Denn Natur schürt wieder alle Gluten,
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die der Mensch beherrschte in Gedanken;
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lüstern lecken ihre Lavafluten
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an dem Erzgerüst der heiligen Schranken.

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Wie es hinschmilzt! Wer kann's kalt beschauen?
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Nur der Mond in seiner Leichenpracht.
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Und die Seele badet sich im Grauen,
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und der Geist buhlt mit der Nacht.

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Bis er Frevel heckt wie Don Juan,
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der nur lüstern war aus Qualengier,
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ein vom Teufelswahn verlockter Gottesmann,
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freudeloser als ein Tier.

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Nein, nicht Lust war's, du Jungfräuliche,
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als ich deine Opferfreude schmeckte;
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ich genoß nur das Abscheuliche,
57
zu entweihn dich Unbefleckte,

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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