Ein silbern klein Herze

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Richard Fedor Leopold Dehmel: Ein silbern klein Herze Titel entspricht 1. Vers(1891)

1
Ein silbern klein Herze,
2
von Golde ein'n Ring,
3
die gab sie mir, als ich
4
wandern ging,

5
und that in das Herze
6
ihr Bild hinein;
7
so einsam der Morgen,
8
bin doch nicht allein ...

9
Arme Padde im Gleise,
10
zerquetscht liegst du.
11
Ich wandre meine Straße
12
und wandre immer zu.

13
Schon teilt sich der Nebel
14
und schimmert die Welt,
15
im Sonnenschein glitzert
16
das Aehrenfeld;

17
die Hummeln summen,
18
die Lerchen klingen;
19
die Birken wehen,
20
die Zweige schwingen;

21
die Pappeln, die schütteln
22
die Blätter im Wind;
23
sie flüstern, sie singen
24
von meinem fernen Kind.

25
Das Herzelein nehm'ich
26
vom seidenen Band
27
und leg's in das Ringlein
28
in meiner Hand,

29
so streit ich und schau
30
als ein Zeichen mir's an:
31
so halt ich in Treuen
32
ohn Ende Dich umfahn ...

33
Was rennst, Meister Lampe?
34
heut jag'ich nicht.
35
Ich wandre, ich schreite;
36
die Sonne sticht.

37
In Dorfes Mitten
38
der Friedhof sich hebt;
39
wie wird's gar kühl sich ruhen,
40
wenn man mich einst begräbt!

41
zwei weiße Rosen biegen
42
ums Grabkreuz die Aest,
43
drauf steht mein Nam geschrieben;
44
bis der Regen ihn löscht ...

45
Hinterm Kirchlein die Schenke
46
heißt »Zu den 3 Linden«;
47
da wird ein Ruheplätzchen
48
sich auch wol noch finden!

49
Ei Tausend, mein Schätzchen:
50
so schmuck, und allein?
51
Ei komm doch, rück näher;
52
trink aus, schenk ein! –

53
Na Schätzel, was weinst denn?
54
Ja, die Welt ist hohl,
55
die Welt ist ne Flasche:
56
trink aus! leb wohl! –

57
Was wackelt der Pfahl da?
58
der ist wol betrunken!
59
Ich wandre, ich schreite,
60
in Sinnen versunken.

61
Wir war'n ja so alleine;
62
und sie, sie so weit!
63
ich will ihr Alles sagen,
64
bis sie mir verzeiht ...

65
Und am End meiner Reise
66
steht mein elterlich Haus,
67
da schaut mein lieb Mütterchen
68
am Fenster nach mir aus;

69
und drinnen sitzt mein Vater,
70
wie'n König auf sei'm Thron,
71
und will's nicht verraten,
72
daß er wart't auf sein'n Sohn ...

73
Nun will ich nicht sinnen,
74
ob man glücklich kann werden;
75
der Himmel ist hoch,
76
und wir leben auf Erden –
77
schrumm!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.