Nun still, mein Schritt, im stillen Nebelfeld

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Richard Fedor Leopold Dehmel: Nun still, mein Schritt, im stillen Nebelfeld Titel entspricht 1. Vers(1891)

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Nun still, mein Schritt, im stillen Nebelfeld;
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hier rührt kein Leben mehr an meine Ruhe,
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hier darf ich fühlen, daß ich einsam bin.
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Kein Laut; kein Hauch; der bleiche Abend hält
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im dichten Mantel schwer die Luft gefangen.
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So thut es wohl dem unbewegten Sinn.

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Mein Herz nur hör'ich noch; doch kein Verlangen
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nach Leben ist dies Klopfen. Lust und Schmerz
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ruhn hinter mir versunken – gleich zwei Stürmen,
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die sich umarmen und im Wirbel sterben;
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was störst du mich, mein allzu lautes Herz!

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Sie haben Alle nie wie du gefühlt,
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wie Du allein; nicht Freund, nicht Weib noch Kind;
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sie sind
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müht sich ein grüner Schein im Nebelmeer,
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ein Bahnlicht – sieh: so glimmst auch du im Trüben.
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Hinaus, hinaus, wo keine Menschen sind!

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Was wollt ihr noch? Weiter! auf jenen Hügel,
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der grau zu Dunkel schwillt; Gesichter, weicht!
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sie folgen mir; o hätt'ich Flügel.
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Und aus dem bleichen Feld tauchen die Sträucher
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und sehen zu – der Hügel raucht:
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wie feucht von Schweiß sich starr und breit
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der Dunstalb an die Brust der Erde saugt.
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Gesichter, weicht! weicht! Seht mich keuchen!
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Sie folgen mir. Oh Qual der Einsamkeit.

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Am Bahndamm niederzittr'ich in den Sand,
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die glühende Stirne auf die nasse Schiene:
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o käme jetzt das Eisenrad gerannt!
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Kalt frißt sich mir der blanke Strom ins Mark,
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die Hände pressen wild den harten Reifen –
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ich kann nicht mehr! Da –– horch: sei stark:

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Gellend am Horizont ein hohles Pfeifen,
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zwei Augen quellen stechend aus der matten
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Dunstferne, und – was will der Schatten,
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was dunkelt dort der Erlenbusch?

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Er löst sich, kommt; es reißt mich hoch,
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er ist schon nah, ich will's begreifen,
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es nimmt Gestalt an, – Wahnsinn? Da:
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den Nebel teilt ein schwarzer Streifen,
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mein wühlender Blick wird still und weit:
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Jubel – stumm schüttelt mich ein Schrei:
43
Jubel, ein
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und knatternd stampft der Dampfzug mir vorbei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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