Nun weißt du, Herz, was immer so

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Richard Fedor Leopold Dehmel: Nun weißt du, Herz, was immer so Titel entspricht 1. Vers(1891)

1
Nun weißt du, Herz, was immer so
2
in deinen Wünschen bangt und glüht,
3
wie nach dem ersten Sonnenschimmer
4
die graue Nacht verlangt und glüht,
5
und was in deinen Lüsten
6
nach Seele dürstet wie nach Blut,
7
und was dich jagt von Herz zu Herz
8
aus dumpfer Sucht zu lichter Glut.

9
In früher Morgenstunde
10
hielt heut mein Alb mich schwer umstrickt:
11
aus meinem Herzen wuchs ein Baum,
12
o wie er drückt! er schwankt und nickt;
13
sein seltsam Laubwerk thut sich auf,
14
und aus den düstern Zweigen rauscht
15
mit großen heißen Augen
16
ein junges Vampyrweib – und lauscht.

17
Da kam genaht und ist schon da
18
Apoll im Sonnenwagen;
19
es flammt sein Blick den Baum hinan,
20
die Vampyrbraut genießt den Bann
21
mit dürstendem Behagen.
22
Es sehnt sein Arm sich wild empor,
23
vier Augen leuchten trunken;
24
das Nachtweib und der Sonnenfürst,
25
sie liegen hingesunken.

26
Es preßt mein Herz die schwere Last
27
der üppigen Sekunden,
28
es stampft auf mir der Rosse Hast –
29
er hat sich ihr entwunden.
30
Schon schwillt ihr Bauch von seiner Frucht,
31
hohl fleht ihr Auge: bleibe!
32
Er stößt sie sich vom Leibe,
33
von Ekel zuckt des Fußes Wucht,
34
hin ras't des Wagens goldne Flucht.

35
Es windet sich im Krampfe
36
und stöhnt das graue Mutterweib,
37
mit ihren Vampyrfingern gräbt
38
sie sich den Lichtsohn aus dem Leib,
39
er ächzt – ein Schrei – Erbarmen: ich,
40
da bin ich wach ––doch hör'ich,
41
wie noch ihr Fluch und Segen hallt:

42
Drum sollst du dulden dies dein Herz,
43
das so von Wünschen bangt und glüht,
44
wie nach dem ersten Sonnenschimmer
45
die graue Nacht verlangt und glüht,
46
und sollst in deinen Lüsten
47
nach Seele dürsten wie nach Blut,
48
und sollst dich mühn von Herz zu Herz
49
aus dumpfer Sucht zu lichter Glut!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.