Deutsches Thun

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Richard Fedor Leopold Dehmel: Deutsches Thun (1891)

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Lieber Freund! Zu Besuch bin ich eben bei Goethen und Schillern,
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da – aus dem Schornstein herab – fliegt dein toscanischer Gruß.
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Nämlich die hellen Gemächer und glänzenden Säle der Beiden
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hatt' ich verlassen und war bis in die Küche gefolgt,
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wo sie im Dienste des Morgens besorgten das pfeffrige Frühstück
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gegen den nächtlichen Rausch ihrer verjammerten Zeit.
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Doch nun empfahl ich mich schnell; und Goethe lächelte nickend,
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denn er witterte wohl etwas Italisches gleich.
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Und mein Handwerkszeug ergriff ich und wollte geschwinde
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dir im gefügigen
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aber da saß mir der Küchengeruch von Goethen und Schillern
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fest in der Nase und hat ganz das Gehirn mir betäubt.
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Ja! sie haben gar Manchen auf ihrem olymp'schen Gewissen,
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seit sie ihr deutsches Gericht füllten in griechisch Geschirr.
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Oder liegt es dem Deutschen im
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immer zu hüllen ein Kleid, das er der Fremde geraubt?!
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Mißt er nicht Freiheit und Recht sich zu nach der Römischen Elle,
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gab nicht zum Bau seines Staats Gallien das Winkelmaß her?
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Will in die Tiefen der Welt, in der Menschheit Tiefen er dringen,
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steigt er hinab durch den Schacht, welchen der Britte ihm grub!
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Oder sucht er im Glauben zu ruhn, so klimmt er zum Himmel
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gar auf der Leiter empor, die ihm der Jude gefügt! –
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Doch nun
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und es entschwebt dem Gewirr sieghaft ein Einiger Geist!
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Zwar die
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aber die
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daß er rauschender noch rege den Fittig dereinst:
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bis er die Fernen erreicht, wo dem Blick auch die Völker verschwinden,
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wo ihn, das ewige Haupt neigend, die
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Ja – mein Volk! den Beruf, den
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hast du die Andern erlöst, hast du dich selber erlöst!
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Nein!
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So auch hab' ich getrost mir gesattelt das Roß des Hellenen,
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daß ich mit Eigener Faust reite Parade vor Dir.
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Lächeln wirst du vielleicht:
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daß umso sicherer nur throne das ärmliche Ich?! –
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Aber so geht es wohl stets: der Gedanken jeglicher deutet
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immer aufs Ganze zurück, immer vom Ganzen auf Uns.
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Und so schwanket der Mensch dahin zwischen Rechten und Pflichten;
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heilig erscheint ihm
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Darum hab' ich mich auch der Zweifel und Fürchte begeben,
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ob ich
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Denn ich hab' es erkannt, die Versöhnung ruht in der
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Arbeit ist uns Pflicht, Arbeit
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Unerbittlich treibt Natur die Wesen zum Wirken,
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heischt es vom Menschen der Mensch;
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Und für das Reich Meiner Wahl will treu bis ans Ende ich kämpfen,
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ob ich erliege im Streit, ob ich erringe den Sieg.
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Nämlich: wählte ich
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nämlich: wählte ich falsch, lebte

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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