Dichterfreundschaft

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Richard Fedor Leopold Dehmel: Dichterfreundschaft (1891)

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Euch suchte ich. O kindisch weich Bewegen,
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o stürmisch Wogen alter Liebeslust!
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der schwellende Strom dem rollenden Meer entgegen,
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so stürz' ich mich an eure Brust.
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Noch Einmal rauschen auf aus ihren Gründen
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der ersten Jugendsehnsucht scheue Laute,
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zur Brandung schäumend: in die Flut zu münden,
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die brausend lockende, die urvertraute ...

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O langer Weg! oh, einst! wie jede Welle
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nach jedem Wölkchen sah am Himmelsrande,
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nach jedem Hälmchen griff am Ufersande,
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daß Eines nur mitströmend weiterquelle!
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oh keines! fort! nur Bilder, wirr, zerflossen! –

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Welch Sausen da auf Einmal! ausgegossen
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durch alle Lüfte schien ein Gottessegen,
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der
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oh Tau der Reinheit – Liebe – Himmelsregen!

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Es trank der Strom der Frühlingswolke Thränen,
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die tausend Augen, die herniederquollen,
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die träufenden Küsse: seine Adern schwollen,
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die Pulse barsten, ein unendlich Wähnen
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aus seinem Bette brach er, zu umfangen
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des Erdballs Wall, des Firmamentes Zinne, – –
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zurück, zurück! Ein müdes, sanftes Bangen
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umstrickte schmeichelnd seine taumelnden Wogen:
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die tausend Küsse, die er aufgesogen,
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wie Lenzhauch nun sein lockiges Haupt umflogen,
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umschlangen die geballten Fäuste, bogen
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sie spielend auf und kos'ten sie und zogen
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in seinen Schooß sie wieder, und ein Säumen
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und
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so rann er matt des Weges, wie in Träumen ...

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So fand ich Euch – und lauschte. O Erwachen!
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o brüderlich Erkennen, jauchzend Lachen!
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o Meeresstimmen, süße Schwesterlaute!
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erfüllter Ahnung Klänge, urvertraute! –
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Zur tiefen See des vollen Stromes Sehnen
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erfaßt mich, in die Arme euch zu fallen,
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zu fühlen eurer Herzensfluten Wallen,
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an eurer sturmgeworfnen Brust zu lehnen.

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In Eure Seele schütten will ich Meine
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mit allen Himmelswassern, die sie tränkten,
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mit allen Quellenpulsen, die mich drängten
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euch zu umhalsen: daß in Eine Eine
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glücksingende Woge unser Leben brande,
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die glanzumzittert von dem Strahlennetze
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der großen Sonne Liebe rings die Lande,
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die dürren, für den

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Schon keimt es sacht; schon hör' ich Osterglocken
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vom Strand der Zukunft grüßen übers Meer, – –
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der Dank der Menschheit, drüber her ...

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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