An Friedrich Nietzsche

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Richard Fedor Leopold Dehmel: An Friedrich Nietzsche (1891)

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Und es kam die Zeit,
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daß Zarathustra abermals
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aus seiner Höhle niederstieg vom Berge;
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und viel Volkes küßte seine Spuren ...
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Der Jünger aber, der ihn liebte,
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stand von ferne,
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und der Meister kannte ihn nicht.
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Und der Jünger trat zu ihm und sprach:
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Meister, was soll ich thun,
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daß ich selig werde? –
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Zarathustra aber wandte sich
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und schaute hinter sich,
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und seine Augen wurden weit,
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und sagte Antwort:
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Folge mir nach! –
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Da ward der Jünger sehend
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und verstand den Meister
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und folgte ihm
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und verließ ihn ...
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Da er aber seines Weges wanderte,
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ward er traurig
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und sprach also zu seiner Sehnsucht:
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Wahrlich! viele sind,
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deren Zunge trieft vom Namen Zarathustras,
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und im Herzen beten sie zum Gotte Tamtam;
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wahrlich,
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Seinen Adler sahen sie fliegen,
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welcher heißt – der Wille zur Macht
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über die Kleinen;
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und seine Schlange nährten sie an ihrer Brust,
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die Schlange Klugheit.
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Aber seiner Sonne ist ihr Auge blind,
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welche heißt – der Wille zur Macht
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über den Einen:
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den Gott Ich.
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Wiedergeburten feiern sie
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und Wiedertaufen ihrer Götzen,
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aber Keiner wußte noch
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sich selber zu befruchten
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und seinem Samen jubelnd sich zu kreuzigen.
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Der Du Deine neue Sünde lehrtest,
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habe Dank! o dürft' ich dir
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dein letztes Wort vom Munde küssen,
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du lächelnder Priester des zeugenden Todes!
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und mancher Art
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sind die Sonnenpfeile
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und Blumengifte
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des zeugenden Todes!
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Ach, daß du Manchem auch

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Richard Dehmel
(18631920)

* 18.11.1863 in Münchehofe, † 08.02.1920 in Blankenese

männlich, geb. Dehmel

Nationalökonom, deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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