Kindheit

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Georg Trakl: Kindheit (1900)

1
Voll Früchten der Hollunder; ruhig wohnte die Kindheit
2
In blauer Höhle. Über vergangenen Pfad,
3
Wo nun bräunlich das wilde Gras saust,
4
Sinnt das stille Geäst; das Rauschen des Laubs

5
Ein gleiches, wenn das blaue Wasser im Felsen tönt.
6
Sanft ist der Amsel Klage. Ein Hirt
7
Folgt sprachlos der Sonne, die vom herbstlichen Hügel rollt.

8
Ein blauer Augenblick ist nur mehr Seele.
9
Am Waldsaum zeigt sich ein scheues Wild und friedlich
10
Ruhn im Grund die alten Glocken und finsteren Weiler.

11
Frömmer kennst du den Sinn der dunklen Jahre,
12
Kühle und Herbst in einsamen Zimmern;
13
Und in heiliger Bläue läuten leuchtende Schritte fort.

14
Leise klirrt ein offenes Fenster; zu Tränen
15
Rührt der Anblick des verfallenen Friedhofs am Hügel,
16
Erinnerung an erzählte Legenden; doch manchmal erhellt sich die Seele,
17
Wenn sie frohe Menschen denkt, dunkelgoldene Frühlingstage.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Georg Trakl
(18871914)

* 03.02.1887 in Salzburg, † 03.11.1914 in Buenos Aires

männlich, geb. Trakl

Suizid | Überdosis

österreichischer Dichter des Expressionismus

(Aus: Wikidata.org)

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