Die Priesterin der Isis in Rom

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Hermann von Lingg: Die Priesterin der Isis in Rom (1862)

1
Heucheln soll ich Zauberkünste,
2
In den Flammen trüber Dünste
3
Spähen nach verborgnem Sinn;
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Aus der Vögel hohen Flügen
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Soll ich Prophezeiung lügen
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Um verhaßten Goldgewinn.
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Ob nicht bald ein Freier werbe,
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Ob ein grauer Schurke sterbe,
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Welch ein Frevler ihn beerbe,
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Frägt man die Ägypterin.

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Völkern hier ein Licht zu schenken
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Und zur Wahrheit sie zu lenken,
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Wähnte die Prophetenbraut;
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Weh, nun muß ich hier bei Kesseln
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Schauen, wie mit Lolch und Nesseln
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Schlangenhaut und Kröte braut,
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Muß mein edles Wissen schänden,
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Hohes sehn aus Sklavenhänden
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Und am Dreiweg Feuerbränden
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Niederstreu'n das Lorbeerkraut.

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Ich, des großen Landes Tochter,
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Wo zuerst auf unterjochter
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Erdkraft sich der Geist vernahm,
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Jenes Landes, dessen Lehre
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Leuchtend über Land und Meere
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Einst an alle Völker kam.
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Ja, wir waren's, die am frühsten
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Halt geboten Meer und Wüsten,
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Mit Gesang die Sterne grüßten,
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Tiere zogen fromm und zahm!

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Jene Weisheit ist verloren,
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Unter Gaukler, unter Toren
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Stößt ein fremder Pöbel mich;
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Weh, was ließ ich den geliebten
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Strand des Nils, o dich, Ägypten,
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Grab der Könige und dich!
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Wo beim Staub der Pharaonen
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Teure Seelenwandrer wohnen,
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Könnt' auch ich im Schatten thronen
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Hochgeehrt und priesterlich.

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Hier ist alles wie zerrissen;
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Nirgends knüpft ein Allmachtwissen
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Erdennacht und Himmelspol.
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Durch bedeutungslose Ferne
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Irren tonlos hier die Sterne,
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Alles tönt mir leer und hohl.
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Ihr zerreißt den Isisschleier,
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Aber saget nun, Entweiher:
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Sehet die Natur ihr freier,
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Seit zertreten ihr Symbol?

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Fromme Vögel seh' ich schweben
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Nach dem tempelreichen Theben,
53
Bald fliegt meine Seele mit;
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Wenn der Sternenkreis vollendet,
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Wenn zum Tal der Nil sich wendet,
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Siegeshoch im Segensschritt,
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Nimmer weil' ich dann hienieden;
58
Hohe Nacht der Pyramiden,
59
Nimm mich auf, wenn ich um Frieden
60
Deine goldnen Tore bitt'!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hermann Lingg
(18201905)

* 22.01.1820 in Lindau, † 18.06.1905 in München

männlich, geb. Lingg

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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