Lebwohl, Kind! ... die Fahrt, die du wagst

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Cäsar Flaischlen: Lebwohl, Kind! ... die Fahrt, die du wagst Titel entspricht 1. Vers(1892)

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Lebwohl, Kind! ... die Fahrt, die du wagst,
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ist weit!
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Mein Wunsch, daß es gut dir gehe,
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geb dir getreulich Geleit!
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Leb wohl! den Kopf immer hoch
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und fröhlich und unverzagt,
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und nie zuviel auch bei andern
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um Rat und Meinung gefragt!
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Raten ist leicht, doch es geht schon
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nicht alles im rechten Gleis,
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wenn man Rat braucht, Kind, und sich
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nicht selbst zu helfen weiß!
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Es trägt ein jeder zudem schon
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so viel an eigener Last,
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daß er sich meist nur ungern
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mit fremden Sorgen befaßt!
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Es kommt auch selten etwas
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dabei heraus und ich mein:
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man müsse für Glück und Unglück
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immer selbst verantwortlich sein.
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Wer seines Zieles klar ist,
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erreicht, was er erstrebt,
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und wer ein Ziel errungen,
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hat nie vergebens gelebt!

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Lebwohl, Kind! und wenn es wettert
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und Blitze und Wolken dräun,
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es kommen auch Tage wieder,
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die Blüten und Rosen streun.
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Es ging ja uns beiden im Leben
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nie noch besonders gut,
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wir erfuhren niemals, wie schön es
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ohne Sorge sich ruht;
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wir haben von früh an in fremde
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Launen uns schicken gemußt
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und hatten niemand, zu teilen,
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weder bei Leid noch bei Lust;
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und gerade in Jugendtagen
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ist das wohl der herbste Schmerz:
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man träumt da von Wunderdingen
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und hat so voll das Herz,
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man möchte jubeln und jauchzen
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und möchte glücklich sein
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und denkt, das Leben bestünde
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aus lauter Sonnenschein.

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Es kann ja nun alles sich ändern,
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ich glaubte für dich es so gern:
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es kann vom Himmel fallen
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wie ein rotblitzender Stern,
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es kann auf schimmerndem Flügel
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herrauschen im Windeswehn,
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es kann mit jauchzendem Liede
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urplötzlich vor dir stehn! ...
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Dichter sind's, die das sagen,
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auch hört man es sonst dann und wann,
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im wirklichen Leben aber ...
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ich glaube nicht recht daran!
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Ich glaube viel eher, es wird
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so sein, wie es bisher war:
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von allem, was man sich wünscht,
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wird nur das Wenigste wahr!
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ja ich glaube beinahe, das große
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Glück, von dem man so träumt
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und an das ein jeder so viel
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seines besten Lebens versäumt:
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daß es das gar nicht gibt ...
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als festes dauerndes Gut,
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daß alles Glück nur in kleinen
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ganz flüchtigen Dingen beruht!
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Es ist wie Gold, das man auch nicht
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in Klumpen und Blöcken hebt,
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das man nur staubkorngroß
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aus Geröll und Getrümmer gräbt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Cäsar Flaischlen
(18641920)

* 12.05.1864 in Stuttgart, † 16.10.1920 in Gundelsheim

männlich

deutscher Lyriker und Mundartdichter

(Aus: Wikidata.org)

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