Venusine flüchtet vor des Teufels Logik

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Max Dauthendey: Venusine flüchtet vor des Teufels Logik (1892)

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In der Mainstadt Würzburg
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An der alten Brücken
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Brechen sich die Schollen,
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Winter geht in Stücken.

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Föhnwind gurgelt mächtig,
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Kommt vom Süden taumelnd
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Und ist frühlingsträchtig.

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Und die Schollen hüpfen
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Keck gleich jungen Böcken,
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Brechen sich die Stirnen
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An den Brückenstöcken.

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In das Chaos schauend
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Steht am Fluß der Teufel,
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Seinen Spitzbart krauend.

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Vom Marienberge
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Glänzt die Christusmutter
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Ganz aus purem Golde,
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Gold auch's Kleiderfutter.

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Und der Teufel fragte
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Blank mit seinen Augen,
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Bis sie etwas sagte.

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»teufel, Deine Rede,
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Fern in Romas Mauern,
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Mußt Du jetzt zeitlebens
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Trübselig bedauern.

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Recht doch muß ich geben,
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Meldest Du von Christus –
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Weiblos war sein Leben.

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Ich, die Mutter, selber
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Wünsche ungeschehen
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Seinen Tod am Kreuze,
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Möcht beweibt ihn sehen.

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Als Familienvater
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Würd' ers Leben nehmen
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Mehr im Herzenskrater.

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Doch mich dauert, Teufel,
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Deine Logikrede!
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Jetzt liegst Du mit Venus
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Ewig in der Fehde.

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Gingst in eine Falle,
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Stürztest, Dich zu heben,
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Frauenideale.

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Denn für Christus hatte
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Venus selber Schwächen.
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Wenn sie leicht auch höhnte,
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Ganz mocht sie nie brechen.

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Wie Schirokko brannte
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Ihr das Herz vor Trauer,
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Daß sie sturmstreichs rannte,

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Rannte über Alpen,
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Über Nebel, Flüsse,
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Und ein Eisenschimmel
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Lieh ihr seine Füße,

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Der nach Rom sie brachte,
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Einst aus Mailand flüchtend,
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Den zum Mensch sie machte.

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Dieser wünschte lieber
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Wieder Gaul zu werden.
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Zu prosaisch, sagt er,
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Sei's als Mensch auf Erden.

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Und mit Gönnermiene
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Schenkte ihm sein Pferdstum
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Wieder Venusine.

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Würdest Du Dich töten,«
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Sprach noch Christus' Mutter,
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»teufel, dann war Venus
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Mild wie süße Butter.

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Denn vom Ideale
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Denkt man, wenn es tot ist,
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Besser alle Male.«

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Also sprach sie weise,
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Listig wie nur Frauen.
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Ihrem goldenen Munde
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War nicht recht zu trauen,

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Denn sie hat geschworen
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An dem Teufel Rache
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Und hält's unverfroren,

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Weil von Rom zum Maine
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Teufels Hochmut schallte,
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Der den Sohn ihr schmähte,
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Daß das Weltall hallte.

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Logisch fand sie's richtig,
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Aber laut zu schimpfen
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War vom Teufel nichtig,

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Teufel horcht verzweifelt
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Auf des Föhnwinds Rütteln,
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Möchte alle Berge
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Gleich dem Föhnwind schütteln.

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Muß zu Tod sich lauschen,
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Hört auf Schritt und Tritten
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Venusröcke rauschen.

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Prunkend steht Maria
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Stolz aus Gold am Dache
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Vom Marienburgschlosse,
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Glühend wie die Rache.

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Teufel schließt die Augen:
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»immer bleibt's dasselbe,
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Teufel nie was taugen.«

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Teufel ganz geläutert
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Von dem großen Schlage
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Kauft sich eine Säge.
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Was ihm Lebensfrage,

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Jenen Schmuck am Hirne,
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Sägt er ab, die Hörner,
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Seinen Trotz der Stirne.

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Als der Schwalben Liebe
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Nester baut vom Drecke,
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Stand der Teufel immer
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Noch am selben Flecke.

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In dem Frühlingswerben
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Stand er lieblos einsam,
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Will wie Christus sterben.

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Zum Vierröhrenbrunnen,
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Als sein Stolz geschwunden,
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Kam zum Café Hirschen,
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Er, der sich geschunden.

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Mischt sich unter Bauern,
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Die dort Ausspann halten,
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Dort wo Juden lauern.

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Mietet sich drei Alte,
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Die für Geld was wagen.
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Sagt: »Ihr müßt ans Kreuzholz
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Mich noch heute schlagen.

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Könnt' die Welt erlösen,
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Wenn ihr solches tuet,
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Heut von allem Bösen.«

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Doch die Juden maulten,
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Nahmens Geld und dankten.
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An das Kreuz ihn schlagen,
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Das zu tun sie schwankten.

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Krümmten ihre Glieder,
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Schlichen um die Ecken,
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Kamen nicht mehr wieder,

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Mitleidloser aber
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Zeigten sich die Bauern.
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Sie tat nicht der Teufel,
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Nicht das Böse dauern.

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Wolltens Geld kaum haben,
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Nur am Todesanblick
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Sich belustigt laben.

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Bauern dann, am Abend,
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Nageln mit Behagen
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An das Kreuz den Bösen
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In den Stadtanlagen.

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Bei der Frankenwarte
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Auf dem Niklausberge
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Ragt er als Standarte.

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Spät saß ich am Fenster.
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Flöße, blank aus Stämmen,
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Zogen hin im Maine.
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Und zum Fluß zur Schwemmen

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Ritt auf einem Pferde
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Venus, schleppt den Teufel. –
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Dunkel war die Erde.

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Feurig floß das Wasser
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Durch die Abendgluten,
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Und den Teufel sah ich
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Aus fünf Wunden bluten.

159
Venus hielt im Arme
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Ihn, den Schwerenöter,
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Und schien bleich vom Harme.

162
Venus wusch am Flusse
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Seine wilden Wunden,
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Hat mit ihren Händen
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Ihm sein Herz verbunden.

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Doch auch Götter enden. –
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Teufel starb der Venus
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Unter ihren Händen.

169
Venus spricht zum Toten:
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»hast mich viel umworben.
171
Doch Dein Christuswerden
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Hat den Spaß verdorben.

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War Dir noch gewogen,
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Als Du Hörner hattest
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Und hast flott gelogen.

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Werd' Dich wiedersehen,
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Da Du jetzt gestorben,
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In dem Himmel droben
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Fad und unverdorben.«

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Und ihr Pferd, das rannte
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Mit ihr in die Wolken,
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Fort ins Unbekannte.

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Und des Teufels Leiche
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Lag auf einem Floße,
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Schwamm hinein ins Dunkel,
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In die Nacht, die große.

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Eine Amsel gluckte
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Unter meinem Fenster,
189
Wo ich Tränen schluckte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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