Venusinens Besuch und Ohnmacht in der Sixtina

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Max Dauthendey: Venusinens Besuch und Ohnmacht in der Sixtina (1892)

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»muß noch zur Sixtina,«
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Rief die Venus eilig.
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»diese ist besonders
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Meinem Herzen heilig.

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Hörte: es vergehen
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Dort die Christusbilder,
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Die schon lang bestehen.

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Angelo, der Meister,
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Er kehrt niemals wieder,
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Und vor seinen Werken
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Knie auch ich gern nieder,

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Lieb ihn, den das Nackte,
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Mächtig wie die Götter,
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Stets von Grund aus packte.

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Tat heut Nacht ersuchen
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Meinen Signor Teufel:
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›reparier' Sixtina!‹
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Doch er hegte Zweifel.

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Will mir's selbst ansehen,
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Ob er nachgeholfen.
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Etwas muß geschehen!«

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Zu dem Vatikane
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Mit besorgter Miene
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Eilte kunstverständig
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Schleunigst Venusine

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Durch die Schweizer Wachen,
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Die der schönsten Dame
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Liebeszeichen machen.

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Sie ersteigt die Treppen.
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Im Entré voll Farben
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Standen bleiche Leute,
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Bleich, als ob sie starben,

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Kopfschütteln die Köpfe,
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Schienen zu ersticken,
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Kriegten beinah Kröpfe.

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Da kam auch der Teufel
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Venus schon entgegen.
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Bat: »Geh nicht mehr weiter
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Der Sixtina wegen!«

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War im Reiserocke
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Wie ein Opernsänger,
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In der Stirn die Locke.

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Venus voll Erstaunen
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Fragt: »Was ist geschehen?
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Daß die Leut wie Leichen
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Hier im Vorsaal stehen?«

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Teufel konnt nicht sprechen.
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Venus kurz entschlossen
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Mußte Bahn sich brechen.

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Greift der Türe Klinke,
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Steht in der Kapelle.
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Plötzlich sinkt sie nieder
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Ohnmächtig zur Schwelle.

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»teufel,« ruft der Teufel,
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»ich werd's reparieren!
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Das ist ohne Zweifel.«

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Leer in der Kapelle
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Waren alle Flächen.
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Leere öde Mauern –
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S'war zum Herzzerbrechen.

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Staub lag auf den Fliesen
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Gleich, als hab ein Beben
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Alles umgeschmissen.

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»venus,« bat der Teufel
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Kläglich in der Miene.
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Führt sie fast gebrochen
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Fort aus der Sixtine.

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Hat sie fortgeschoben,
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Hieß sie niedersitzen
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Erst in der Garderoben.

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»laß mich hier erzählen,
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Und Du sollst Dich fassen,«
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Bat auf Knie'n der Teufel.
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»als ich Dich verlassen

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Heut im Morgengrauen,
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Lief ich nicht gleich weiter
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Zu den andern Frauen.

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Eilte zur Sixtina –
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Eifersucht macht Schmerzen,
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Wollte nicht, daß Deine
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Augen Bilder herzen,

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Jenen großen nackten
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Menschensohn im Bilde, –
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Qualen mich zerhackten.

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Jenen da, der richtend
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Aus den Wolken rannte,
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Böses und auch Gutes
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Viel zu ernst erkannte.

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Jenen Sohn der Nöte
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Dacht ich zu zerstören,
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Wenn ich Kraft aufböte.

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Tret' in die Sixtina,
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Unter tiefstem Schauer,
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Öffne nicht die Lippe,
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Starre nur zur Mauer

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Denkend: wie so mächtig
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Venusin mich machte!
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Und war ganz andächtig.

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Mußte niederknieen,
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Nicht vorm Kirchenbilde, –
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Vor dem Blut im Herzen,
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Das heut Nacht mich stillte;

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Vor den kurzen Stunden,
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Da wir nichts mehr wußten
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Und uns nackt gefunden.

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Plötzlich war's wie Seufzen,
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Das sich um mich windet:
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Von den Bilderwänden
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Fällt die Farb' und schwindet.

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Alles, was die Mauer
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Hielt, stob in die Winde,
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Der Jahrhundert Dauer.«

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Venusine staunte
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Und war fast beklommen,
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Daß der Teufel solche
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Lieb für sie bekommen.

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Dankte ihm; indessen
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Blieb sie doch inwendig
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Etwas abgemessen.

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Dachte: »War des Menschen
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Sohn nicht doch am Ende
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Schöner als der Teufel
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An Sixtinas' Wände,

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Weil der Teufel wollte,
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Daß ich den nicht sehen
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Und nicht lieben sollte?«

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»ja, so sind die Frauen,«
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Rief gereizt der Teufel,
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»sehen Angebote
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Immer an mit Zweifel.

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Lieber sind sie Diebe,
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Als daß sie die Treue
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Schätzen in der Liebe.

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Bin nicht stets der Böse,
135
Du nicht stets die Gute.
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Heut in nächtger Stunde
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Mischten wir zwei Blute.

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Fühl mich jetzt wie aller
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Schöpfung frohe Wesen
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Und doch nicht banaler.

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Will an leere Wände
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Dir jetzt Christus malen,
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Leiden auch die Hände
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Drüber Folterqualen.

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Sollt's Ideal mal sehen,
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Herrin Venusine,
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Nackt bis an die Zehen.«

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Seine Stimme hallte
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Donnernd aus dem Blauen.
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Christus den Asketen
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Schildert er mit Grauen.

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Venus wehrt mit Händen,
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Weil die Lust des Blutes
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Schmerz wird ihren Lenden.

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Doch er malt ohn' Gnade,
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Malt mit klaren Zügen
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Teuflisch 'ne Ballade,
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Schildert ohne Lügen;

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Schildert den Rivalen,
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Und sogar die Wahrheit
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Macht ihm heut nicht Qualen.

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Venusin erschrocken,
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S' fing ihr Haar fast Flammen,
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Flüchtet in der Erde
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Herz und kriecht zusammen.

166
Ist voll Angst entwichen,
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Und der Teufel hat sich
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Stolz den Bart gestrichen.

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Horcht jetzt was er sagte!
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Teuflisch war's ersonnen.
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Nur ein Gott so wagte
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Götter zu entthronen.

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Venus zu gewinnen,
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Sprach sich selbst der Teufel
175
Heute ganz von Sinnen:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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