Venusine in Rom, auf dem Monte Pincio zum

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Max Dauthendey: Venusine in Rom, auf dem Monte Pincio zum (1892)

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Monte Pincios Garten
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Knirscht auf allen Wegen,
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Wenn zur Korsostunde
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Sich die Wagen regen.

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Alle Staatskarossen
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Tragen Römerinnen
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Wie aus Gold gegossen.

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Auf dem Petersdome
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Lagen Abendfeuer.
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Abendrosen hingen
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Über Roms Gemäuer.

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Venus nahte lächelnd,
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Bettlerinnen ähnlich
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Mit der Schürze fächelnd.

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Stieg zu Pincio's Garten
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Einsam ohne Wagen,
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Wollte allem Prunke
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Einfach heut entsagen.

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Geht im Bauernkleide
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Zwischen den Karossen,
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Wie ein Weib der Heide.

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Palmen und die Blumen,
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Sie sogleich erkennen,
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Möchten mit Gerüchen
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Ihren Namen nennen.

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Venus lächelt eigen,
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Und die scheuen Blumen
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Schließen sich und schweigen.

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Auch die Instrumente
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Der Musikkapelle
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Fühlen Venusine,
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Werden sanft zur Quelle

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Heißer Harmonien,
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Die nie Noten finden
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Und das Blut durchziehen.

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In dem Volksgedränge
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Zwischen Marmorbänken
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Steht da jung ein Jüngling,
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Den noch Menschen kränken,

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Lehnt da leidversunken
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Am Zypressenbaume,
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Fühlt sich weltalltrunken.

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Venus riecht das Schwitzen
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Dieses Enthusiasten,
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Sieht den grauen Kragen
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Unterm Schädelkasten,

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Fühlt auch Todesschauer,
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Als er zu ihr sagte:
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»ich bin ein – Bildhauer.

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Du mußt mit mir gehen!
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Will dich nicht berühren,
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Nur die Nähe meines
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Ideales spüren.

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Hab Dich gleich empfunden –
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Zahl' für Aktmodelle
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Lire drei die Stunden.«

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Venus unumwunden
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Sagt's heraus dem Knaben:
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Für Anschauungsstunden
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Sei sie nicht zu haben.

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Wer nur in den Augen,
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Sonst nicht heißer werde,
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Könnte ihr nicht taugen.

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Doch der Jüngling altklug
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Sagt: »Ihr feile Holde,
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Schielt nur nach den Reichen!
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Unglück hängt am Golde.

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Gold sollt man begraben,
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Weil, ach! die Dukaten
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Keine Seele haben.

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Reichtum ist Langweile,
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Könnt mir pünktlich glauben!
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Wollte Venus allen
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Reichen hier erlauben,

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Daß mal Alle sollten,
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Die zu Wagen kommen,
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Tuen, was sie wollten, –

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Ach, wie wenig Wünsche
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Lägen hier verborgen!
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Meistens wären's Seufzer
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Aus der Lust nach Sorgen.

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Nicht zwei sich gehörten,«
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Schrie der Jüngling lauter,
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»alle nur sich störten!«

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Venus lacht: »Ihr glaubet,
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Daß dann nur die Pferde
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Offne Liebe zeigten
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Mit Geschlechtsgebärde,

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Damen und die Herren
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Und die Grooms und Diener
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Nur den Mund aufsperren?

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Herrlein, strebt doch lieber
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Erst mal Gold zu haben,
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Ehe Ihr Verwünschung
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Ausstoßt wie die Knaben!

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Glaubt mir: all die Reichen
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Sind nicht blaß vom Schlafen,
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Auch die Lieb' macht bleichen.

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Fruchtbar von dem Golde
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Leben alle Sinne.
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Armut darf sie dulden,
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Reichtum nährt die Minne.

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Und der Seele Leiden
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Und des Leibes Schmerzen
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Wohnen bei den Beiden.«

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Staunend horcht der Jüngling
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Auf die Bauerndirne,
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Die ihm überlegen
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Stark an Herz und Stirne.

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Ihm beginnt zu zahnen
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Weisheit und Vertrauen,
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Er tut Weltlust ahnen.

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Venus läßt ihn stehen,
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Wendet sich zu Gassen,
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Wo in hohlen Häusern
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Feile Dirnen saßen.

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Tritt in einen Garten,
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Gleich des Königs Gattin,
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Daß die Dirnen starrten.

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Amor macht den Pagen,
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Eckehardt den Knappen,
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Tragen auf den Fräcken
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Stolz des Königs Wappen.

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Und als Königine
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Setzt sich zu den Dirnen
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Huldvoll Venusine.

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Spricht: »Ich nenn euch Schwestern!
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Seht: hier Pag' und Knappen
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Bringen neue Kleider,
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Legt jetzt ab die Lappen!

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In dem Festgewande
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Dürft ihr festlich minnen,
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Frei von Spott und Schande.

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Und in jedem Kleide
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Liegt die Kunst zu minnen.
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Lieder könnt ihr singen,
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Besser tanzen drinnen.

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Und ein jedes Mieder,
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Das ich euch hier schenke,
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Gibt euch keusche Glieder.«

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Alle Dirnen staunen –
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Venus spricht nichts weiter –
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Kleidet jede Dirne.
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Alle werden heiter.

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Die verloren saßen
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Ziehen wie Prinzessen
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Zierlich auf die Straßen.

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»sollt' euch was passieren,«
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Spricht die Königine,
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»ruft das eine Wörtlein
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Laut aus: Venusine!

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Alle Dirnen strahlen,
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Daß des Königs Gattin
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Sie erlöst aus Qualen.

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Ach, die hohe Freude
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Konnt nicht lange währen,
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Denn die Ehefrauen
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Wurden fast Megären.

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Keine konnt mehr ruhen,
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Ohnmacht kam nach Ohnmacht,
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Gab dem Mann zu tuen.

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Denn so lang in Straßen
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Zierlich sich benahmen
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Schandefrei die Dirnen,
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Fielen um die Damen.

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Keine wollt erwachen,
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Und die Männer mußten
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Krankenwärter machen.

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Um die Mittnacht riefen
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Mit betrübter Miene
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All die Straßendirnen
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Herzhaft: »Venusine!«

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S' fielen ab die Kleider,
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Und aufs Neu in Lappen
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Sahen sie sich leider.

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Wieder frech in Farben
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Sie durch Straßen liefen,
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Daß die Ehefrauen
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Eifersuchtlos schliefen.

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Frechheit sich bemühte
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Statt der Grazie wieder,
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Unds Geschäft, das blühte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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