Venusinens Romfahrt im D-Zug mit den Bernhardinern

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Max Dauthendey: Venusinens Romfahrt im D-Zug mit den Bernhardinern (1892)

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»eckehardt, mein Lieber,
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Liebst du nie das Fesche?
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Schrecklich ist dein Wollkleid
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Und die Jägerwäsche!

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Trag doch nicht so lose,
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Amor, lieber Junge,
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Deinen Knopf der Hose!«

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So sprach Venusine,
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Als man in D-Zügen
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Saß und nach Italien
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Flog in Rasselflügen.

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Aus dem Berge draußen
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Hielt sie mehr als drinnen
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Auf den Takt nach außen.

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Aber nichts konnt' hindern,
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Daß in frohen Stunden
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Sie und ihr Gefolge,
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Ganz kulturentbunden,

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In die Lüfte wollten,
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Aus den Fenstern flogen,
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Hinter Wolken tollten.

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Und im Zug bemerken
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Manche Passagiere:
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Im Maschinendampfe,
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Nackt ein Weib spaziere.

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Konnt' durch Lüfte jagen,
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Mit dem Vollmond spielen,
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Wald und Berge tragen. –

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Saß da hübsch ein Bursche
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In der ersten Klasse.
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Halbtot war er leider,
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Halb Tuberkelmasse.

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Sollte nach dem Süden.
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Ihn sah Venusine
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Und behext den Müden.

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Denkt: Sollst Dich nicht quälen
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Hübschester Geselle?
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Stehst mit einem Fuße
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Auf der Beinhausschwelle.

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Dir den Tod versüßen,
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Soll mich heut zerstreuen,
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Komm und laß dich küssen!

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Leis spricht sie zu Amor:
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»liebstes Söhnchen, gehe,
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Daß dem hübschen Menschen
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Liebes bald geschehe!

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Geh auf fester Sohle,
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Dicht ihm an das Herze,
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Setz' ihm die Pistole!«

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Amor zielt voll Eifer,
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Schießt auf Wunsch der Mutter,
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Trifft den jungen Menschen
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Durch das Westenfutter.

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Doch, ach, nie bedachten
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Götter fehllos handelnd,
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Ob sie's richtig machten!

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Kaum ging die Pistole
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Los mit frohem Knalle,
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Saß der kleine Amor
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In der Mausefalle.

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Denn der Herr springt pfauchend
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Nach der Angstnotleine,
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Böse Worte brauchend.

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Schaffner und die Führer
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Eilen an die Türen,
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Und man will den Amor
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Strafen mit Gebühren.

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Nichts half, daß er meinte,
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Er hab nicht getötet
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Und wie Kinder weinte.

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Jener hübsche Kranke
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Flucht nach allen Noten:
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»schußwaffen zu tragen,«
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Sagt er, »sei verboten.

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Schwer kann man beweisen,
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Ob sie blind geladen, –
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Ich will friedlich reisen!«

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Nichts auch wollten helfen
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Venusinens Augen,
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Und der Schaffner meinte,
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Daß sie gar nichts taugen.

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Menschen gut erzogen,
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Wäre er der Ordnung
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Halber mehr gewogen.

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Strafgebühren zahlte
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Venusin erschrocken.
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Sucht nicht mehr mit Augen
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Reisende zu locken.

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In dem Mund, dem roten,
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Knirschen ihre Zähne:
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»alles scheint verboten!«

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Doch der hübsche Kranke
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Muß sie starr besehen,
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Rückt ihr leise näher,
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Spricht: »Ich muß gestehen,

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Wunderschöne Holde,
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Daß ich lungenleidend
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Und nicht kränken wollte.

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Schmerzlich schön ist Ihre
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Trauer um die Lippen.
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Seh ich Damen leiden,
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Muß mein Herz mir kippen.

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Herrliche, erhöre!
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Kannst Du mir verzeihen?
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Sag' nicht, daß ich störe!«

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Venus muß von Sinnen
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Diesen Menschen wähnen.
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Vorhin, als sie lachte,
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Bracht' man sie zu Tränen.

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Jetzt erst soll sie lieben,
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Wo die Lust verschwunden,
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Und das Leid geblieben.

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Venus kann nicht finden,
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Daß die Lust sie beizte
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Jenen Herrn zu lieben,
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Weil ihr Leid ihn reizte.

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Dieser aber lachte
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Über ihr Bedenken,
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Weil er anders dachte.

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Und er rückt ihr näher,
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Ganz auf sie versessen,
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Will die Göttin einfach
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Um die Taille pressen.

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Gute Miene machend,
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Denkt die Göttin scherzend:
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Ich nehm Alles lachend.

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Zum Sankt Gotthard eben
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Dampft der Zug von Fluelen
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Höher in die Lüfte,
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Die sich dünner fühlen.

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Hohle Echos krachen,
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Und die Tunnellöcher
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Dampfen gleich den Rachen.

134
Hier im Schnee ward Mancher
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Von Sankt Gotthards Hunden,
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Denkt sich Venusine,
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Liebend aufgefunden.

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Ach, ein Hund wär heute
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Ehrlicher dem Herzen,
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Als im Zug die Leute.

141
Will mal hier als Göttin
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Nach Belieben handeln,
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Alle Herrn und Damen
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Hündisch mal verwandeln.

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Dieses soll mich rächen –
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Zu viel ist verboten –
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Lieb soll Fesseln brechen!

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Seht, und in dem Zuge,
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Kaum tat sie's bestellen,
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Wurden Alle Hunde,
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Grüßten sich mit Bellen.

152
Alles lief auf Vieren,
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Wedelt, sich beriechend.
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Keinen tut's genieren.

155
Eh noch zur Besinnung
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Einer konnte kommen,
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War ihm das Besinnen
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Auch schon fortgenommen.

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Bayern und Berliner,
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Herren und auch Damen
161
Wurden Bernhardiner.

162
Alle diese Menschen,
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Die verlogen schüchtern
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Sich nach Liebe sehnten,
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Fordern sie jetzt nüchtern.

166
Jenem Herrn von Allen,
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Den das Leid nur reizte,
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Will die Lust gefallen.

169
Sprang und leckt und wedelt
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Hinter andern Hunden,
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Hat in Lebensfrohsinn
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Sich gar schnell gefunden.

173
Liebte Hundedamen,
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Die sich unter Bellen
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Schwanzwedelnd benahmen.

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Das war ein Bespringen,
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Selig ein Begatten!
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Und man liebt vor Allen,
179
Die die Laufzeit hatten.

180
Schnell sich Alle kannten,
181
Und in allen Klassen
182
Ward man zu Verwandten.

183
Amor lag auf Kissen
184
Und muß göttlich lachen:
185
»mama Venusine,
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Du machst tolle Sachen!

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Du erlöst die Leute
188
Auf besondre Weise!
189
Endlich liebt man heute!« –

190
Hell voll Glühlichtlampen
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Eilen Luxuswagen;
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Niemand ahnt von draußen,
193
Daß sie Hunde tragen.

194
Und der Gotthard lachte
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Über Venusine,
196
Die das fertig brachte.

197
Als der Zug den letzten
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Tunnel just passierte,
199
Lagen tausend kleine
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Vögel, schneeverirrte,

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Im Gefild, im kalten.
202
»halt!« rief Venusine.
203
Und der Zug muß halten.

204
Alle Bernhardiner
205
Sind hinausbefohlen,
206
Und ein Jeder mußte
207
Von den Vögeln holen.

208
Und sie apportieren
209
Vorsichtig im Maule,
210
Vögel, die erfrieren.

211
In den warmen Wagen
212
Sind bald neugeboren
213
Diese. Und kaum lebend
214
Danken sie den Ohren.

215
Nachtigallen, Meisen
216
Danken Venusine,
217
Singend ihre Weisen.

218
Alle Vögel kannten
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Gleich die Göttin wieder.
220
Auf dem Hörselberge
221
Lehrt' sie jährlich Lieder,

222
Jedem Männchen neue,
223
Daß der Wald erblühe
224
Und sich's Weibchen freue.

225
Auch die Hunde liegen
226
Horchend auf den Kissen.
227
Weil sie jetzt die Nähe
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Einer Göttin wissen,

229
Zeigen sie die Spuren,
230
Heute überwundner,
231
Menschlicher Kulturen.

232
Nach Chiasso senken
233
Sich die Berggelände,
234
Hundertschluchtig grüßen
235
Dort Italiens Wände.

236
So kam Venusine
237
Zu des Südens Grenze,
238
Schalk in jeder Miene.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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